Ramsauer will über Fluglärm-Vertrag nachverhandeln

Berlin/Stuttgart  Wegen massiver Widerstände in Baden-Württemberg bittet Deutschland die Schweiz um Nachverhandlungen über den bereits unterzeichneten Fluglärm-Staatsvertrag.

Peter Ramsauer trifft die Kritiker des Fluglärm-Vertrags mit der Schweiz.

Foto: Wolfgang Kumm

Peter Ramsauer trifft die Kritiker des Fluglärm-Vertrags mit der Schweiz. Foto: Wolfgang Kumm

Ziel sei, offene Fragen in einer völkerrechtlich verbindlichen Form zu klären, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nach einem Treffen mit Vertretern aus dem Südwesten am Montag in Berlin. Bis dahin soll mit der Ratifizierung im Bundestag gewartet werden. Die Schweiz stimmte neuen Gesprächen zu.

Die Regierung in Bern sei bereit, «die von deutscher Seite aufgetauchten offenen Fragen gemeinsam anzuschauen und zu klären», erklärte am Montag die Sprecherin des Schweizer Verkehrsministeriums, Annetta Bundi. Regelrechte Nachverhandlungen seien aber nicht nötig. Die Klärung umstrittener Punkte könne über einen Noten-Austausch erfolgen, was eine rechtsverbindliche Form garantiere.

Der Vertrag in seiner jetzigen Form sieht vor, dass Anflüge auf den Flughafen Zürich am Abend früher als heute über die Schweiz statt über deutsches Gebiet geführt werden. Kritiker monieren, Südbaden werde zu wenig von Fluglärm entlastet. Zudem lasse der Vertrag zu viele Interpretationsspielräume für die Schweiz zu, da wesentliche Punkte wie Flugrouten nicht klar geregelt seien.

Ramsauer sagte, er wolle seiner Schweizer Amtskollegin Doris Leuthard anbieten, dass die Klärungen der offenen Fragen etwa als Anhang, Zusatz oder Protokoll beider Seiten geschehen könnten. Falls in einigen Punkten erforderlich, könne auch der Vertrag selbst «noch einmal angefasst» werden. «Dieses Vorgehen setzt voraus, dass von Schweizer Seite Bereitschaft gegeben ist», sagte der Minister.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sprach von einem Verhandlungserfolg bei dem Treffen mit Ramsauer. Der weitere Erfolg hänge nun «sehr davon ab, ob die Schweiz erkennt, dass es eine Chance ist.» Hermann sagte, Änderungen im Vertragstext selbst seien notwendig, weil sich zentrale Kritikpunkte nicht durch ergänzende Erklärungen oder Denkschriften regeln ließen, wenn sie nicht in Übereinstimmung zum Vertrag selbst stünden.

Ramsauer sagte, in dem Gespräch in Berlin habe sich «eine Reihe von Fragen» gezeigt, die einvernehmlich auf deutscher Seite geklärt werden müssten. Der Landrat des am stärksten betroffenen Kreises Waldshut, Tilman Bollacher (CDU) nannte unter anderem Flugbewegungszahlen, Flugrouten und Höhen. «Ziel muss sein, dass wir einen Staatsvertrag bekommen, der eine nachhaltige Entlastung vom Flugverkehr definitiv sicherstellt.»

Nach der Unterzeichnung des Vertrags Anfang September hatte sich in der Region Widerstand aufgebaut. Die baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten von Union und FDP hatten erklärt, im Parlament gegen den Vertrag stimmen zu wollen. Damit bekäme der Vertrag im Bundestag keine Mehrheit. Im Stuttgarter Landtag wenden sich alle Fraktionen gegen den Staatsvertrag in der jetzigen Form. (dpa)

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