300 Spezialisten organisieren Abzug aus Afghanistan

Masar-i-Scharif  Zur Organisation des Bundeswehr-Abzugs aus Afghanistan schickt Verteidigungsminister Thomas de Maizière etwa 300 Spezialisten an den Hindukusch. Trotzdem werde die Gesamtzahl deutscher Soldaten im kommenden Jahr deutlich sinken.

Etwa 300 Spezialisten sollen den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan organisieren.

Foto: Oliver Lang

Etwa 300 Spezialisten sollen den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan organisieren. Foto: Oliver Lang

Das sagte der CDU-Politiker am Dienstag während seines Afghanistan-Besuchs. Über die genaue Truppenreduzierung will das Kabinett am 28. November entscheiden. Anschließend hat der Bundestag das letzte Wort.

Der Abzug aus Afghanistan ist eine massive logistische Herausforderung. Bis Ende 2014 muss die Bundeswehr bis zu 1700 Fahrzeuge und 6000 Container aus dem Land schaffen. Der Truppenabzug hat bereits Anfang des Jahres begonnen. Bis Ende Januar 2013 sollen von den einst bis zu 5350 deutschen Soldaten noch 4400 übrig sein. Auch im nächsten Jahr wird der Truppenabzug laut de Maizière weiter vorangetrieben. «Es kommt zu einer deutlichen Reduzierung», sagte er. 2014 will die Nato ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beenden.

Als weiteren Beleg für die verbesserte Sicherheitslage im Norden des Landes besuchte de Maizière an seinem zweiten Besuchstag die blaue Moschee mitten in der Großstadt Masar-i-Scharif. Begleitet wurde er vom Provinzgouverneur Mohammad Atta. «Wir können nicht von angemessener Sicherheit reden und uns selber nicht danach verhalten», sagte der Minister.

Im April vergangenen Jahres hatte ein Mob in Masar-i-Scharif bei Protesten gegen eine Koran-Verbrennung in den USA sieben ausländische UN-Mitarbeiter getötet. Insgesamt gilt die boomende Nord-Metropole mit etwa 270 000 Einwohnern aber als vergleichsweise sicher. Im ganzen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan ereignen sich nur drei Prozent aller Anschläge und Angriffe der radikal-islamischen Taliban auf afghanische und internationale Sicherheitskräfte.

Bereits am Montag hatte de Maizière sein Vertrauen in die verbesserte Sicherheitslage in Nordafghanistan unter Beweis gestellt, indem er als erstes Kabinettsmitglied mit dem zivilen Regierungsflieger direkt nach Masar-i-Scharif flog. Bisher war ein Umweg über das usbekische Termes nötig, von wo aus es mit einem Militärtransporter samt Raketenabwehrsystem weiter nach Afghanistan ging.

Während de Maizière in Masar-i-Scharif übernachtete, gab es am frühen Dienstagmorgen in der als relativ sicher geltenden Hauptstadt Kabul einen Raketenangriff. Drei Geschosse schlugen in der Stadt ein und töteten einen Mann. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Polizeichef von Kabul. Die Raketen waren aus dem bergigen Umland abgefeuert worden.

Schwerpunkt der neunten Afghanistan-Reise de Maizières seit seinem Amtsantritt im März 2011 waren Gespräche mit afghanischen Regierungsvertretern und Militärs. Am Dienstag besuchte er eine Schule für afghanische Pioniere bei Masar-i-Scharif, die seit 2009 mit deutscher Hilfe aufgebaut wird. Derzeit entstehen dort 56 neue Gebäude für 700 Pionierschüler. Das Projekt wird mit 24 Millionen Euro aus deutschen Steuermitteln finanziert.

Deutschland will sich auch nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes 2014 an der Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee beteiligen. Wie viele Soldaten dafür zur Verfügung gestellt werden, ist aber noch unklar. (dpa)

Bundeswehr in Afghanistan

Isaf

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