Syrische Opposition im Dauerclinch

Kairo/Doha  Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) hat den Christen George Sabra (65) nach langem Hickhack zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Ein Versuch des SNC, mehr junge Aktivisten in seine Reihen aufzunehmen, schlug jedoch fehl.

Der Christ George Sabra ist zum neuen Vorsitzenden des oppositionellen Syrischen Nationalrats gewählt worden.

Foto: Stringer

Der Christ George Sabra ist zum neuen Vorsitzenden des oppositionellen Syrischen Nationalrats gewählt worden. Foto: Stringer

Sabra trat am Freitagabend die Nachfolge des Kurden Abdel Baset Seida an. Die Oppositionellen diskutieren inzwischen seit fast einer Woche in Katar über die Gründung einer syrischen Übergangsregierung - mit mäßigem Erfolg. Der Nationalrat war im Herbst 2011 in Istanbul als Zusammenschluss verschiedener Oppositionsgruppen gegründet worden.

Die Bundesregierung bereitet sich nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» inzwischen darauf vor, Christen aus Syrien in Deutschland aufzunehmen. «Ich denke, dass wir dazu irgendwann auch bereit sein müssen, wenn sich die Lage in Syrien weiter zuspitzen sollte», schrieb der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU) in einem Gastbeitrag.

Militante Regimegegner zündeten am Samstag auf dem Gelände eines Offiziersclubs in der syrischen Stadt Daraa zwei Autobomben. Aktivisten sprachen von 20 Toten. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete ebenfalls einen tödlichen Anschlag in Daraa, machte jedoch keine Angaben zum Ort der Explosion oder zur Zahl der Opfer. Regimegegner berichteten, kurdische Gegner von Präsident Baschar al-Assad hätten die Regierungstruppen aus mehreren Ortschaften in der Provinz Al-Hassake vertrieben. Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter starben landesweit 50 Menschen, darunter insgesamt 26 Angehörige der Regierungstruppen.

Die christliche Aktivistin Jara Nasir erklärte derweil ihren Rücktritt aus dem SNC. Sie begründete ihr Ausscheiden mit Rivalitäten, die dazu geführt hätten, dass man das eigentliche Ziel aus den Augen verloren habe. Sie erklärte: «Ich habe in den vergangenen Monaten beobachtet, wie der Freiheitskampf des SNC zu einem Machtkampf zwischen den verschiedenen Fraktionen und Persönlichkeiten wurde. Auch bei einigen Demonstrationen in Syrien wurde Kritik am SNC laut.

Der harte Kern der Opposition diskutierte am Samstag bis zum Abend in Doha über eine Initiative des prominenten Dissidenten Riad Seif. Diese sieht die Gründung eines neuen Gremiums der Opposition vor, in dem neben dem SNC auch andere Gruppen mit mehr Kontakt zur Basis in Syrien sitzen sollen. Dies war von einigen Staaten zur Bedingung für mehr Unterstützung gemacht worden. (dpa)

Erklärung Jara Nasir via All4Syria, arabisch

Sana-Meldung, arabisch

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