Die Kopten haben per Los einen neuen Papst bestimmt

Istanbul/Kairo  Die größte christliche Minderheit im Nahen Osten hat einen neuen Papst. Knapp acht Monate nach dem Tod von Schenuda III. wurde Bischof Tawadros am Sonntag bei einem Gottesdienst in Kairo per Los zum 118. Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche bestimmt.

Der 60-Jährige übernimmt das Amt zu einer schweren Zeit. Seit dem Vormarsch der Islamisten hat die Gewalt gegenüber Christen in Ägypten deutlich zugenommen.

Tausende Kopten hatten sich unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in der Markus-Kathedrale sowie auf Freiflächen um das Gotteshaus herum versammelt, um der Messe beizuwohnen. Ausgewählt wurde zunächst ein Kind, das in einem Losverfahren «Gottes Willen» umsetzen und den neuen Papst bestimmen sollte. Der Junge, Bischoi Girgis Musaad, zog schließlich den Namen Tawadros aus der Urne, einem gläsernen Kelch, der mit rotem Wachs versiegelt und mit weißen Bändern zugebunden war.

Zur Wahl standen drei Kandidaten, die vor einer Woche bei einer Synode von mehr als 2000 Geistlichen und Laien in die Endrunde gewählt worden waren. Neben Tawadros waren das der 54-jährige Bischof Raphael aus Kairo und der 70-jährige Mönch Raphael Ava Mina. Die Bewerber warteten in einem Wüstenkloster in Wadi Natrun auf die Verkündung des Ergebnisses.

Der bisherige Weihbischof aus dem Nildelta soll am 18. November als Tawadros II. feierlich sein neues Amt antreten. Er folgt dem im März gestorbenen Papst Schenuda III. nach, der vier Jahrzehnte an der Spitze der koptischen Kirche stand.

In Ägypten leben etwa acht Millionen Kopten. Sie machen zehn Prozent der Bevölkerung aus. Immer wieder gibt es religiöse Unruhen zwischen Muslimen und Kopten, oft mit tödlichem Ausgang.

So waren Anfang 2011 vor einer Kirche in der Hafenstadt Alexandria in der Silvesternacht mehr als 20 Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden. Im Oktober desselben Jahres kamen bei blutigen Zusammenstößen zwischen Kopten und Muslimen in Kairo 26 Menschen, überwiegend Christen, ums Leben.

Seit dem politischen Aufstieg der Muslimbruderschaft häufen sich außerdem Meldungen über die Vertreibung von Kopten aus ägyptischen Dörfern und Städten. Zuletzt tauchten im Grenzort Rafah auf der Sinai-Halbinsel Flugblätter mit dem Aufruf auf, alle Christen zu verjagen. Für Aufsehen sorgte auch die vorübergehende Festnahme zweier christlicher Kinder wegen Gotteslästerung. Sie sollen einen Koran beschädigt haben. (dpa)

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