Obama und Romney im furiosen Schluss-Sprint

Washington  Mit einem furiosen Sprint durch die wichtigsten Staaten wollen sich US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney kurz vor der Wahl die entscheidenden Stimmen sichern. Das Rennen ums Weiße Haus bleibt am Wochenende vor dem entscheidenden Wahltag, extrem spannend.

Obama im Wahlkampf.

Foto: Michael Reynolds

Obama im Wahlkampf. Foto: Michael Reynolds

Jüngste Umfragen bestätigen US-weit ein Patt. Amtsinhaber Obama liegt aber nach Informationen der «New York Times» in den meisten besonders heiß umkämpften Bundesstaaten vorn - wenn auch oft nur sehr knapp. So führt er etwa in Ohio. Ein Sieg hier gilt als Muss für Romney.

Obama brach am Samstag zu einer Wochenend-Blitztour durch sieben Staaten mit gleich mehreren Stopps in Ohio auf. Romney begann seinen Sprint von Ost nach West in New Hampshire. Beide Kandidaten kündigten an, bis zur letzten Minute um jede Stimme zu kämpfen.

Bereits zuvor hatte sich für die letzten Wahlkampf-Tage eine Art Rollentausch angedeutet. So wie Obama vor vier Jahren präsentierte sich Romney auf Kundgebungen trotz scharfer Attacken gegen seinen Kontrahenten als ein Kandidat, der das politisch tief gespaltene Land einen will - ein Versprechen, das Obama nicht gehalten habe. Der Amtsinhaber selbst ging voll in die Offensive und machte klar, dass es für ihn Grenzen bei der Zusammenarbeit gibt.

«Worte sind billig», sagte Romney am Samstag in Newington (New Hampshire). Die Spaltung des Landes sei unter Obama noch tiefer geworden. Er selbst, Romney, habe als Gouverneur von Massachusetts bewiesen, dass er bereit und fähig zur Zusammenarbeit sei. Der Wahlkampf sei eine lange Reise gewesen, fuhr der Republikaner fort. «Aber wir haben es fast geschafft.» Die Tür in eine neue Zukunft stehe offen, «und wir werden hindurchgehen. Kommt, geht mit mir. Geht mit mir an einen besseren Ort.»

Obama sagte in Mentor (Ohio), die Menschen müssten ihrem Präsidenten vertrauen können. «Ihr wisst, an was ich glaube. Ihr wisst, dass ich sage, was ich meine, und meine, was ich sage.»

Zuvor hatte Obama ebenfalls auf einer Kundgebung in Ohio erklärt, dass er im Fall einer zweiten Amtszeit zwar mit den Republikanern im Kongress zusammenarbeiten werde. Aber wenn der «Frieden in Washington» nur zum Preis von Vereinbarungen zu haben sei, die gekappte Studienhilfen bedeuteten oder Gesundheitsversicherern mehr Macht gäben, «dann ist das ein Preis, den ich nicht zu zahlen gewillt bin». So etwas sei kein Wandel, sondern eine Kapitulation vor dem Status quo. «Ich bin weit davon entfernt, diesen Kampf aufzugeben», meinte Obama. «Ich habe immer noch eine Menge Kampfeslust in mir. Ich werde nicht müde.»

Der Sender CNN rechnete am Samstag vor, dass jüngste Umfragen im Schnitt zwischen beiden Kandidaten einen Gleichstand von 47 zu 47 Prozent ergeben haben. Einer am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten NBC/«Wall Street Journal»-Erhebung zufolge führt der Demokrat Obama in Ohio aber mit 51 zu 45 Prozent vor dem Republikaner Romney. Auch im ebenfalls möglicherweise wahlentscheidenden Florida liegt Obama vorn, aber nur knapp mit 49 zu 47 Prozent. Die «New York Times» wies darauf hin, dass Obama in 19 von 22 am Freitag veröffentlichten Umfragen in den sogenannten Swing States die Nase vorn hat.

In den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern durch ein Wahlmännergremium. Jeder Staat verfügt in diesem Gremium über eine bestimmte Zahl an Stimmen, die jeweils dem Sieger in dem betreffenden Staat zugesprochen werden. Es wäre also möglich, dass Romney landesweit zwar die meisten Stimmen erhält, aber Obama siegt, weil er in den entscheidenden Staaten gewonnen hat. Die magische Zahl für den Gesamtsieg liegt bei 270 Wahlmänner-Stimmen.

In zahlreichen Staaten haben die Wähler bereits seit Tagen die Möglichkeit, ihre Stimme persönlich in Wahllokalen abzugeben. In Florida bildeten sich lange Schlangen, vor allem im Süden zogen sie sich mancherorts über ganze Straßenblöcke hinweg. Die Wartezeiten betrugen oftmals zwei bis vier Stunden, wie unter anderem der Sender ABC am Samstag berichtete.

Bei früheren Wahlen durften Frühwähler in Florida bereits 14 Tage vor dem eigentlichen Wahltermin ihre Stimme abgeben. Der derzeitige republikanische Gouverneur Rick Scott hat die Spanne auf acht Tage verkürzt. Kritiker sehen darin einen Versuch, Wähler von der Stimmabgabe abzuhalten. Erfahrungsgemäß neigen Frühwähler stärker den Demokraten zu als den Konservativen. (dpa)

ABC-Bericht

New York Times zu Umfragen

Umfrage ABC/Wall Street Journal

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