Keine Sprengstoffspuren an Kaczynskis Unglücksmaschine

Warschau  Es sah nach einer spektakulären Enthüllung aus, doch das Dementi folgte prompt: An der 2010 in Russland abgestürzten polnischen Präsidentenmaschine wurden keine Sprengstoffspuren gefunden, versichert die polnische Militärstaatsanwaltschaft.

Nach dem Absturz im April 2010 nahe Smolensk wurde das Wrack von russischen Spezialisten untersucht.

Foto: Sergei Chirikov / Archiv

Nach dem Absturz im April 2010 nahe Smolensk wurde das Wrack von russischen Spezialisten untersucht. Foto: Sergei Chirikov / Archiv

Polens Militärjustiz hat Berichte dementiert, wonach Spuren von Sprengstoff an dem 2010 in Russland abgestürzten Flugzeug des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski gefunden worden seien. Der Bericht der Zeitung «Rzeczpospolita» enthalte eine Reihe von falschen oder zumindest ungenauen Behauptungen, sagte der Chef der Warschauer Militärstaatsanwaltschaft, Ireneusz Szelag, am Dienstag. Die Zeitung entschuldigte sich für ihren «Fehler».

Das Blatt hatte geschrieben, polnische Ermittler hätten in dem Wrack an bis zu 30 Sitzen sowie an den Tragflächen und an der Absturzstelle bei Smolensk in Russland Spuren von TNT und Nitroglycerin entdeckt. Dadurch erhielten Spekulationen neue Nahrung, bei dem Absturz habe es sich um einen Anschlag gehandelt. Dafür gebe es aber keine Hinweise, betonte der Militärstaatsanwalt.

Bei dem Absturz waren am 10. April 2010 außer Kaczynski und seiner Frau mehr als 90 Vertreter der politischen und militärischen Elite Polens ums Leben gekommen.

Szelag bekräftigte, es seien weder am Wrack noch an der Absturzstelle Spuren von Sprengstoff gefunden worden. Die bei der Untersuchung benutzten Detektoren schlagen nach seinen Worten auch bei Pestiziden oder Haushaltsreinigern an. Die Geräte seien eingesetzt worden, um zu entscheiden, ob noch weitere Nachforschungen notwendig seien. Nur in Labortests könnten Sprengstoffreste festgestellt werden. Der Abschlussbericht der polnischen Experten werde in rund einem halben Jahr vorliegen, ergänzte er.

«Rzeczpospolita» hatte geschrieben, die Experten hätten für ihren Fund bislang keine Erklärung. Es sei aber möglich, dass die Sprengstoffspuren von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg stammten, die nach wie vor in dem Gebiet lägen.

Später erklärte die Zeitung: «Wir haben einen Fehler gemacht, als wir heute über TNT und Nitroglycerin geschrieben haben. Es hätten diese Komponenten sein können, aber dem war nicht so.»

Verschwörungstheorien waren bereits kurz nach dem Absturz aufgekommen. So vermutet auch Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw, der an der Spitze der nationalkonservative Opposition steht, hinter dem Absturz ein Attentat auf den Präsidenten. Die Äußerungen des Militärstaatsanwaltes bezeichnete er als eine große Täuschung. Zugleich forderte er den Rücktritt der liberal-konservativen Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk. (dpa)

«Rzeczpospolita»-Bericht

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