US-Wahlkampffinale: Obama nennt Romney «Dummschwätzer»

Washington  US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney liefern sich nach neuen Schätzungen den teuersten Wahlkampf aller Zeiten.

Barack Obama ist der erste Präsident in der US-Geschichte, der vor dem Wahltag an die Urne ging.

Foto: Brian Cassella

Barack Obama ist der erste Präsident in der US-Geschichte, der vor dem Wahltag an die Urne ging. Foto: Brian Cassella

Bis Mitte Oktober hätten die beiden Kandidaten und ihre Parteien bereits fast zwei Milliarden Dollar (1,55 Milliarden Euro) für die Präsidenten- und Kongresswahl am 6. November gesammelt, ermittelte die «New York Times». Obama habe die Milliardengrenze schon überschritten, Romney stehe kurz davor.

Der Kampf um das Weiße Haus bleibt weiterhin extrem spannend. Die Kontrahenten liegen nach Umfragen im nationalen Durchschnitt und in besonders umkämpften Staaten wie Ohio und Colorado nahezu gleichauf. Zugleich zeigen die Erhebungen einen problematischen Trend für Amtsinhaber Obama: Die Zustimmung der weißen Bevölkerungsmehrheit für den ersten schwarzen US-Präsidenten ist dramatisch gesunken. Laut «Washington Post» und TV-Sender ABC liegt er bei weißen Wählern 21 Prozentpunkte hinter Romney. 79 Prozent der Amerikaner sind Weiße.

59 Prozent der weißen Wähler, die vermutlich zur Wahl gehen, hätten sich für Romney ausgesprochen, lediglich 38 Prozent für Obama, heißt es. Vor vier Jahren habe Obama bei Weißen lediglich um acht Prozentpunkte hinter seinem damaligen Gegner John McCain gelegen, schreibt die Zeitung. Dafür könne Obama aber bei nicht-weißen Amerikanern klar punkten: 79 Prozent wollten ihre Stimme dem Amtsinhaber geben.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen geht Obama offenbar an die Nerven: Zumindest indirekt bezeichnete er Romney in einem Interview als «Dummschwätzer» (Bullshitter). In einer Gesprächspassage mit der Musikzeitschrift «Rolling Stone» ging es um Obamas große Popularität bei Kindern. Wörtlich meinte der Präsident: «Kinder haben einen guten Instinkt. Sie schauen auf den andern und sagen: Er ist ein Dummschwätzer.» Kommentatoren bewerteten das als verbalen Ausfall.

Das Romney-Lager reagierte prompt: Obama habe nichts zu bieten als Attacken und Beleidigungen. Obamas Wahlkampfberater David Axelrod allerdings setzte nach und meinte, Obama ziele auf Romneys häufige Meinungsänderungen ab. Die Bemerkung hätte für Romney «keine echte Überraschung sein sollen».

Seinen Wahlzettel gab Obama am Donnerstagabend persönlich in seiner Heimatstadt Chicago ab. Er ist der erste Präsident der US-Geschichte, der vor dem Wahltag an die Urne ging. «Ich kann Ihnen nicht sagen, für wen ich gestimmt habe», scherzte er.

Obama hatte seine mehr als 7000 Kilometer lange Wahlkampftour durch acht Bundesstaaten in weniger als 40 Stunden für die vorzeitige Stimmabgabe unterbrochen. Auch der Mann aus dem Weißen Haus musste sich zunächst ausweisen. «Ich bin froh, dass ich meinen Führerschein erneuert habe», sprach er in die laufenden TV-Kameras. Obama nutzte den Auftritt zur Werbung für eine frühe Stimmabgabe. Grund: Zu den Frühwählern zählen meist besonders viele Demokraten. Auch Obamas Ehefrau Michelle gab bereits unlängst ihr Votum ab, per Briefwahl aus dem Weißen Haus.

Unterdessen deutet sich im Streit um europäische Wahlbeobachter bei den US-Wahlen im Bundesstaat Texas nach Angaben des Außenministeriums in Washingtons eine Einigung an. Ministeriumssprecherin Victoria Nuland sagte, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) habe zugesagt, ihre Wahlbeobachter würden sich an die Gesetze und Verordnungen der USA halten - auch in Texas.

Zuvor hatte der texanische Generalstaatsanwalt Greg Abbott die OSZE gewarnt, ihre Beobachter dürften sich Wahllokalen nicht mehr als 30 Meter nähern - sonst würden sie sich strafbar machen. Er begründete dies damit, Nicht-Amerikaner «dürfen nicht in den Wahlprozess in Texas eingreifen».

Über diese Drohung hatte sich die Organisation bei US-Außenministerin Hillary Clinton beschwert. Eine solche Einschränkung sei nicht zu akzeptieren. Nuland betonte, die OSZE schicke seit Jahrzehnten Beobachter zu US-Wahlen. «Diesmal ist es nicht anders als sonst.» Die in Warschau ansässige OSZE-Unterorganisation ODIHR überwacht weltweit regelmäßig Wahlen der Mitgliedsstaaten - darunter die USA. (dpa)

Umfrage «Washington Post»

Interview «Rolling Stone»

Brief aus Texas

Reaktion der OSZE

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