Deutsche in Israel: Vor Ort ist alles halb so schlimm

Tel Aviv  Ann-Kathrin Stark hat sich per Internet bei der Deutschen Botschaft registriert. Für den Fall, dass sie schnell ausreisen muss, wenn die Lage in Israel brenzliger wird, sagt die 30-jährige Wissenschaftlerin, die etwa 20 Kilometer südlich von Tel Aviv wohnt. Bisher fühle sie sich aber nicht in Lebensgefahr.

Anna Emde sitzt an ihrem Arbeitsplatz in Rehovot, Israel. Die Berlinerin will Israel trotz des Konfliktes nicht verlassen.

Foto:  Ulrike  Schleicher

Anna Emde sitzt an ihrem Arbeitsplatz in Rehovot, Israel. Die Berlinerin will Israel trotz des Konfliktes nicht verlassen. Foto:  Ulrike  Schleicher

«Der Unterschied zwischen den Bildern, die etwa im deutschen Fernsehen gezeigt werden, und dem, wie normal der Alltag wenigstens in dieser Region des Landes abläuft, ist enorm.» Das versuchte sie auch ihrer Mutter klar zu machen, die sie angefleht habe, sofort nach Hause zu kommen. «Ich fliege erst an Weihnachten», sagt sie.

«Familie und Freunde machen sich große Sorgen.» Das ist auch die Erfahrung von Alexander Mildner. Der 35-Jährige aus Hannover erlebt den Konflikt als Mischung von «Unwirklichkeit und potenzieller Bedrohung». Unwirklich deshalb, weil für Deutsche seiner Generation ein Krieg außerhalb der Vorstellungen liege. Selbst jetzt, wenn er die Sirenen und Explosionen hört. «Sollte sich aber eine Drittpartei wie Ägypten, der Libanon oder der Iran in den Konflikt einmischen, werde ich gehen.»

«Ich finde diese Auseinandersetzung im Grundsatz schlimm», sagt Uwe Heinig aus Aachen. Er will aber bleiben. Zumindest so lange das Deutsche Auswärtige Amt «die Ausreise nicht empfiehlt».

Auch Anna Emde denkt nicht daran, das Land zu verlassen. Die 34-Jährige aus Berlin arbeitet am Weizmann-Institut: «Ich kann und will meine Arbeit nicht liegen lassen.» Sie fühle sich sicher. «Wenn hier Angriffe im Halbstundentakt wären, so wie im Süden Israels, würde ich aber gehen.» Insgesamt, so glaubt sie, werde die Lage im Nahen Osten instabil bleiben: «Die Türkei, Syrien, der Iran, Ägypten - alle sind gegen Israel.»

«Meine erste Reaktion: Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause», sagt dagegen die Politologin Cornelia Zeadkiyahoo. Sie kommt aus Köln, ist mit einem Israeli verheiratet und lebt seit mehreren Jahren bei Tel Aviv. Am vergangenen Freitag hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Raketenangriff miterlebt. Sie zitterte vor Angst. Sie denkt auch an die Menschen im Gazastreifen und was diese seit Tagen erleben müssen, wenn die Israelis angreifen. «Sie, wir - alle haben Angst.» Als Deutsche habe sie den Nahost-Konflikt bislang «nur als Nachricht in den Medien» erlebt. «Nun stecke ich mittendrin. Das schockiert mich.» (dpa)

Deutsche Botschaft in Tel Aviv

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort