Anti-Spar-Proteste und Streiks in Europa

Madrid/Brüssel  Europaweite Proteste gegen die Sparpolitik: Millionen von Arbeitnehmern haben am Mittwoch in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit niedergelegt. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks manche Wirtschaftsbereiche zum Erliegen.

Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte zu einem «Solidaritätstag» aufgerufen.

Foto: Miguel A. Lopes

Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte zu einem «Solidaritätstag» aufgerufen. Foto: Miguel A. Lopes

In Italien demonstrierten Gewerkschafter und Studenten mit Arbeitslegungen und Kundgebungen gegen die rigide Sparpolitik Europas und der Regierung von Mario Monti. Auch in Griechenland waren die Beschäftigten zu einem mehrstündigen Ausstand aufgerufen. In mehreren Ländern Europas kam es wegen der Proteste zu Verkehrsbehinderungen.

In Belgien legte ein 24-stündiger Eisenbahnerstreik den Zugverkehr weitgehend lahm. Der Europäische Gewerkschaftsbund hatte den Mittwoch zum «Solidaritätstag» erklärt. DGB-Chef Michael Sommer forderte einen Kurswechsel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Vor allem die Reichen müssten mehr beteiligt werden, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau voranzubringen, sagte Sommer dem RBB-Inforadio. «Ausreichend wäre eine Politik, die die Reichen mehr zur Kasse bittet und die Finanzmärkte endlich in den Griff nimmt.»

In Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften wegen des Generalstreiks Hunderte von Flügen ab. Dazu gehörten auch Dutzende Flüge von und nach Deutschland. Von den Absagen waren auch zahllose Urlauber betroffen. In Spanien brachte der Streik zudem die Produktion in den Autowerken von Konzernen wie Volkswagen, Seat, Opel oder Nissan weitgehend zum Erliegen. Die Gewerkschaften bezifferten die Beteiligung am Generalstreik auf 80 Prozent der Beschäftigten.

In mehreren spanischen Städten kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikposten und der Polizei. Dabei gab es nach Angaben der Polizei bis zum Mittag 70 Festnahmen und 34 Verletzte. Bei den Bahnen, U-Bahnen und Bussen war ein Mindestbetrieb vereinbart worden. Danach sollten etwa 10 bis 50 Prozent der Verbindungen aufrechterhalten werden. Wie das Madrider Innenministerium mitteilte, wurden die Vereinbarungen weitgehend eingehalten.

In Portugal waren vor allem der Verkehrsbereich und der öffentliche Dienst vom Streik betroffen. In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht, im ganzen Land blieben Züge und Busse stehen. Auch die Post, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen wurden bestreikt.

Wegen des Bahnstreiks in Belgien setzte die Deutsche Bahn auch Busse ein. Von dem Ausstand war vor allem der Zugverkehr in Richtung Brüssel betroffen. «Wer nicht unbedingt dahin muss, sollte einen anderen Tag wählen», sagte ein Bahn-Sprecher. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Deutschland und Belgien verkehrte wegen des Streiks nicht. Ein Verkehrschaos blieb aber bis zum Mittag weitgehend aus.

In Italien hatte die größte Gewerkschaft CGIL zu einem vierstündigen Generalstreik aufgerufen und etwa 100 Kundgebungen vorbereitet. In Rom bewarfen Studenten die Polizei mit Steinen, als diese sie daran hinderte, zu Montis Regierungspalast Chigi vorzudringen. In Turin flogen Eier und Nebelkerzen gegen das Gebäude der dortigen Steuerbehörde. In Mailand demolierten Studenten die Vitrinen von Banken und des Energiekonzerns Enel. (dpa)

Homepage EGB, englisch, französisch

Streikaufruf CCOO, spanisch

Streikaufruf UGT, spanisch

Streikaufruf CGTP, portugiesisch

Mitteilung der Deutschen Bahn

Mitteilung Thalys

Informationen Eurostar

Gewerkschaft Cgil

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