Hintergrund: US-Politiker und die Last mit der Lust

Washington/Berlin  Männlich, mächtig, in den besten Jahren: Sex-Skandale haben manchem US-«Helden» die Karriere verhagelt. CIA-Chef David Petraeus, angeblich sogar auf dem Sprung in die neue Obama-Regierung, wurde schwach - wie vor ihm prominente Demokraten und Republikaner.

Die spektakulärsten Fälle der vergangenen Jahre:- BILL CLINTON - Der 66-Jährige ist der wohl bekannteste «Sünder». Doch Clintons größtes Kunststück war es, wie er sich Ende der 1990er Jahre aus der Sexaffäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky rettete. Spötter nannten sein «Oval Office» im Weißen Haus «Oral Office», der Politiker selbst stand am Rand des Abgrunds. Doch ein Verfahren zur Amtsenthebung 1999 scheiterte, die Amerikaner vergaben ihm - seine Frau Hillary wohl auch. Heute reist er als Elder Statesman durch die Welt - und wird immer beliebter. Auch zwölf Jahre nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus ist er noch der Star der US-Demokraten.- JOHN EDWARDS - Der ehemalige demokratische Präsidentschaftsbewerber begann eine Affäre mit einer Videofilmerin aus seinem Team - während seine Ehefrau Elizabeth mit einem schweren Krebsleiden rang. Später soll er zu verschleiern versucht haben, dass er ein uneheliches Kind hat. Seine Frau, Mutter von vier Kindern, zog nach 32 Jahren einen Schlussstrich unter die Ehe und schrieb ein Buch über ihr Leben. Ende 2010 starb sie im Alter von 61 Jahren. Mitte 2012 zeigte sich der einstige demokratische Hoffnungsträger nach einem Gerichtsprozess zerknirscht vor den Fernsehkameras. «Ich habe schrecklich, schrecklich viel getan, das falsch war», sagte der heute 59-Jährige.- ANTHONY WEINER - Der Kongressabgeordnete galt als hoffnungsvoller politischer Aufsteiger, bis im Juni 2011 anzügliche Fotos von ihm im Internet auftauchten. Eines davon zeigte den Demokraten in Unterhosen, die Formen darunter klar zu erkennen. Der frisch verheiratete Weiner behauptete, er sei Opfer eines Hackers geworden. Dann räumte er tränenreich ein, mit sechs Frauen via Twitter und Facebook «unangemessen» kommuniziert zu haben. Er unterziehe sich einer Therapie, «um ein besserer Ehemann zu werden». Doch Rücktritt und Spott blieben dem 48-Jährigen nicht erspart: Sein Name wird «Wiener» ausgesprochen, was umgangssprachlich für «Penis» steht.- MARK SANFORD - Der frühere republikanische Gouverneur von South Carolina verschwand Mitte 2009 eine Woche lang spurlos von der Bildfläche. Nicht einmal seine Frau wusste, wo er war. Später stellte sich heraus, dass Sanford seine Geliebte in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires besucht hatte. Bis dahin galt der 52-Jährige als möglicher republikanischer Präsidentschaftsbewerber 2012. Bei einer von US-Sendern live übertragenen Pressekonferenz gestand Sanford 2009 die außereheliche Affäre ein. «Ich habe eine Menge Menschen enttäuscht», sagte der Vater von vier Söhnen - und entschuldigte sich bei seiner Familie, seinem besten Freund, allen «gläubigen Menschen» und bei «jedem, der in South Carolina lebt».- ELIOT SPITZER - Unauslöschlich brannte sich die Pressekonferenz des früheren Gouverneurs von New York in das Gedächtnis der Nation, als er im März 2008 wegen eines Sex-Skandals seinen Rücktritt erklärte. Viele Amerikaner fragten sich, was seiner Frau Silda durch den Kopf ging, als sie neben ihm stand - still, blass, gedemütigt. Ihr Schicksal inspirierte Drehbuchautoren zu einer höchst erfolgreichen TV-Serie: «The Good Wife» - die gute Ehefrau. Der heute 53-jährige Demokrat, war, kaum im Amt, über seine Vorliebe für teure Prostituierte gestrauchelt.- LARRY CRAIG (67) - Nach parteiinternem Druck wegen der sogenannten Toiletten-Affäre musste der republikanische Senator 2007 seinen Rücktritt erklären. Der konservative Politiker war von einem verdeckt arbeitenden Polizisten wegen unzüchtigen Verhaltens auf einer Herrentoilette auf dem Flughafen von Minneapolis (Minnesota) festgenommen worden. Der Senator aus Idaho, der öffentlich für Familienwerte und gegen eine bessere gesetzliche Stellung von Schwulen und Lesben eintrat, erklärte sich vor einem Gericht schuldig und wurde zu einem Jahr auf Bewährung und 500 Dollar Geldstrafe verurteilt. (dpa)

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