Porträt: Claudia Roth - prägend, polarisierend, verletzlich

Berlin  Die langjährige Grünen-Chefin Claudia Roth polarisiert wie kaum eine andere Politikerin in Deutschland. Emotional und mit Hingabe tritt die 57-Jährige für ihre Themen ein, gegen den politischen Gegner wettert sie im Angriffsstil.

Claudia Roth in München bei einer Demonstration gegen Atomenergie.

Foto: Andreas Gebert/Archiv

Claudia Roth in München bei einer Demonstration gegen Atomenergie. Foto: Andreas Gebert/Archiv

Die Urwahl bei den Grünen hat sie mit angestoßen: Mit ihr gebe es keinen im Hinterzimmer ausgeklüngelten Alleinkandidat Jürgen Trittin, sagte sie im März. Jetzt hat ihr die Urwahl mit nur 26 Prozent eine der erschütterndsten Niederlagen ihrer Karriere beschert.

Demokratie, Menschenrechte, Flüchtlinge zählen zu ihren Hauptthemen. Mit ihrer Mischung aus kämpferischen Schlagworten und oft farbenfrohem Outfit zieht sie aber auch immer wieder Spott auf sich.

«Privat bin ich furchtbar verletzlich», sagte Claudia Roth nun der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Sie gab Einblicke in die Kehrseiten als Spitzenpolitikerin. «Einsamkeit ist in dem Job schon ein Thema. Man ist eine vollkommen öffentliche Person, geht abends ins Hotelzimmer, und dann wird es plötzlich leer.»

Roth fühlt sich nicht nur in der engeren Politik wohl, sondern auch in der Kultur- und Fußballszene. Sie ist international ausgerichtet und kennt Verhältnisse und Ansprechpartner etwa in der Türkei, im Irak oder Tunesien gut.

Roths Eltern galten - als linksliberale FDP-Anhänger - im tiefschwarzen Bayern als «linksradikal», erinnert sich Roth. «Vor allem um '68 herum gab es bei uns immer viele Diskussionen.» Auch sie selbst stand zeitweise der FDP-Jugendorganisation nahe.

Roth wurde zuerst Theaterdramaturgin, dann Managerin der linken Rock-Band «Ton, Steine, Scherben». 1985 kam sie als Pressesprecherin zur Grünen-Bundestagsfraktion. Vier Jahre später wurde sie ins Europa-Parlament gewählt und blieb zwei Legislaturperioden. 1998 wechselte sie in den Bundestag.

Schon 2001 wurde sie an die Parteispitze gewählt. Den Vorsitz verlor sie vorübergehend wegen der damals geltenden Unvereinbarkeit von Amt und Mandat Ende 2002. Zwei Jahre später rückte sie wieder an die Spitze. (dpa)

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