Analyse: Amerikas «Rostgürtel» rettet Obama

Washington  Als es knapp wurde, verließ sich Amtsinhaber Barack Obama auf seinen Retter-Bonus in den industriell geprägten Staaten des «Rostgürtels» an der Grenze zu Kanada. Er hatte die US-Autoindustrie in der Krise gestützt - sein Widersacher Romney hatte dem wenig entgegenzusetzen.

Chrysler-Fabrik in Detroit: Obama hat sich darauf verlassen, dass die Arbeiter es ihm nicht vergessen, wie sehr er sich für die Rettung der Autoindustrie eingesetzt hat.

Foto: Jeff Kowalsky/Archiv

Chrysler-Fabrik in Detroit: Obama hat sich darauf verlassen, dass die Arbeiter es ihm nicht vergessen, wie sehr er sich für die Rettung der Autoindustrie eingesetzt hat. Foto: Jeff Kowalsky/Archiv

«Osama bin Laden ist tot und General Motors am Leben» - viele Monate lang hatten Obama und sein Vize Joe Biden diese Nachricht unter das Volk gebracht. Sie hat sich offenbar in den Hirnen der Wähler verfangen: Auch die Stimmen aus dem «Rostgürtel», den alten Industrieregionen der USA, haben Obama und Biden ihre zweite Amtszeit gesichert.

Als Ohio sich in der Nacht zum Mittwoch für Obama ausgesprochen hatte, war ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Ohio gilt als wichtigster «Swing State»: Kein Republikaner wurde jemals Präsident, ohne auch diesen Staat für sich zu gewinnen. Nun machte auch Obamas Herausforderer Mitt Romney diese Erfahrung.

Mit weiteren Wahlsiegen in Wisconsin, Iowa und Pennsylvania ist Obamas Wahlstrategie aufgegangen, auf die «Rostgürtel»-Staaten zu setzen. Obama hat sich darauf verlassen, dass die Arbeiter es ihm nicht vergessen, wie sehr er sich für die Rettung der Autoindustrie eingesetzt hat. Eine demokratische Wahlhelferin in Ohio sagte im vergangenen Monat, man befinde sich hier mitten im Industrie-Gürtel der USA. «Wenn wir die Autoindustrie verloren hätten, wäre das verheerend gewesen.»

Romney hatte die Gefahr erkannt, allerdings zu spät: In der letzten Woche des Wahlkampfs kam er gleich zweimal nach Pennsylvania und schaltete jede Menge Fernsehspots. Auch in Wisconsin, dem Heimatstaat seines Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan, versuchte Romney vergeblich, verlorenes Terrain gutzumachen.

In Ohio schaltete Romney einen Fernsehspot, der Obama vorwirft, unter seinen Augen lagere der US-Automobilkonzern Chrysler Arbeitsplätze nach China aus. «Obama hat GM und Chrysler in den Bankrott getrieben und verkaufte Chrysler an Italiener, die nun Jeeps in China bauen werden», hieß es in dem Spot, der dazu ein Auto in der Altmetallpresse zeigte. Obama hielt mit eigenen Spots dagegen.

Romney stammt selbst aus Michigan, sein Vater arbeitete als Führungskraft in der Automobilindustrie. Dennoch verfing sich die Obama-Strategie, seinen Widersacher als reichen Geschäftsmann ohne Bindung an das wirklichen Leben darzustellen.

Weil Romney sich viel zu spät gegen diese Darstellung wehrte, wurden die industriell geprägten Staaten an der Grenze zu Kanada zu Obamas Lebensversicherung. Zumal es in den vergangenen Wochen auf einmal so ausgesehen hatte, als könne Romney in Staaten wie Virginia, Nevada und Colorado siegen. Letztlich hat Obama auch diese drei Staaten gehalten. Von den Staaten, die er 2008 hatte gewinnen können, verlor er nur zwei. In Florida, dem möglichen dritten Verlust, wird noch gezählt - aber das hat in diesem Jahr keine entscheidende Auswirkung mehr auf das Endergebnis. (dpa)

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