Rückblick: Was der Wahlkampf brachte

Washington  Der US-Wahlkampf bot mehr als Fernsehduelle der Spitzenkandidaten und Luftballons auf Parteitagen. Manchmal waren die Nebensachen wichtiger als die Inhalte der politischen Debatte.

US-Schauspieler Clint Eastwood spricht beim Parteitag der Republikaner zu einem leeren Stuhl. Dass das Obama sein sollte, wird bis zuletzt nicht jedem klar.

Foto: Justin Lane/ Archiv

US-Schauspieler Clint Eastwood spricht beim Parteitag der Republikaner zu einem leeren Stuhl. Dass das Obama sein sollte, wird bis zuletzt nicht jedem klar. Foto: Justin Lane/ Archiv

PIZZA-PATE: Einst gehörte dem Republikaner Herman Cain die Fast-Food-Kette «Godfather's Pizza». Dann zieht es ihn in die Politik: Er will Präsident werden. Mit Witz und Spritz bringt er es im vergangenen Jahr sogar kurz zum Favoriten der Konservativen, dann aber beschuldigen ihn gleich mehrere Frauen, sie vor Jahren sexuell belästigt zu haben. Aus der Traum vom politischen Topjob.

VERSPRECHER: Mit großem Tamtam präsentiert der Republikaner Mitt Romney vor der Kulisse eines Schlachtschiffes erstmals seine Nummer zwei, Paul Ryan. Nur stellt er seinen Vize «als nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten» vor. Da freut sich nicht nur Youtube.

HUND AUF DEM DACH: Das war ein Fressen für Politsatiriker - der Republikaner als herzloses Herrchen. Ein Zeitung gräbt eine fast 30 Jahre alte Geschichte aus von einer Reise der Romneys von Massachusetts nach Kanada. Familienhund Seamus landet in einem Käfig auf dem Dach, weil im Auto kein Platz ist. Tierschützer sind noch heute empört.

LEERER STUHL:: Hollywood-Star Clint Eastwood, ein Werbeträger für die Republikaner, sorgt für den wohl legendärsten Wahlkampfautritt dieser Saison. Auf dem Nominierungsparteitag für Romney in Florida bespricht er über lange peinliche Minuten einen leeren Stuhl. Dass das Obama sein sollte, wird bis zuletzt nicht jedem klar. Dieser Gag geht gründlich daneben.

ENTHÜLLUNG MAL ANDERS: Der für nackte Tatsachen bekannte Porno-Verleger Larry Flynt bietet eine Million Dollar für Infos über die Finanzlage Romneys, der sich ziert, seine Steuerunterlagen publik zu machen. Flynt bleibt auf seinem Geld sitzen.

THE DONALD: Auch der Immobilientycoon Trump bringt sich mit einem bizarren Geldangebot ins Gespräch - ein Angebot an Obama. Wenn der Präsident alle seine persönlichen Dokumenten wie Reisepässe veröffentliche, werde er fünf Millionen Dollar für einen guten Zweck spenden, verspricht «The Donald» Trump. Spott ist alles, was ihm die Offerte einbringt.

VERGEWALTIGUNG: Gleich zwei Republikaner lösen mit bizarren Äußerungen über Vergewaltigung und Abtreibung Wirbel aus. Senatskandidat Richard Mourdock aus Indiana sagt, auch eine durch sexuelle Gewalt verursachte Schwangerschaft sei gottgewollt. Bereits zuvor hat der Abgeordnete Todd Akin die These vertreten, das eine Frau bei einer echten Vergewaltigung kaum schwanger werden könne. Der weibliche Körper verfüge in diesem Fall nämlich über Wege «zu versuchen, die ganze Sache außer Betrieb zu nehmen». Da stehen auch vielen Republikanern die Haare zu Berge.

GEFAHR FÜR BIBO: Sesamstraßenfans sind entsetzt. Romney will den Vogel Bibo (im Englischen Big Bird - großer Vogel) den Job nehmen. «Ich liebe Big Bird», sagt er in einer TV-Debatte. Aber er werde den Geldhahn für den Sender PBS zudrehen, in dem die Sesamstraße seit Jahrzehnten läuft. Im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter hagelt es Hunderttausende empörte Kommentare.

47 PROZENT: Ein mit einer versteckten Kamera aufgenommenes Video bringt Romney in schwere Bedrängnis. Darin erklärt er, sein Wahlkampf sei nicht darauf ausgerichtet, «jene 47 Prozent» der Leute anzusprechen, die Obama wählten. Er charakterisierte sie als Sozialschmarotzer, die Wohltaten vom Staat einforderten und keine Einkommensteuer zahlten. «47 Prozent» wird zum geflügelten Wort dieses Wahlkampfes.

ORDNER VOLLER FRAUEN: Das ist einer der größten verbalen Patzer Romneys während der Wahlkampagne. Der Republikaner will eigentlich ausdrücken, dass er schon als Gouverneur von Massachussets gezeigt habe, welchen großen Wert er bei der Auswahl von Mitarbeiter auf die Gleichstellung lege. Es kam dann so aus seinem Mund: «Ich ging zu Frauengruppen und fragte, könnt Ihr mir Leute besorgen, und sie brachten mir ganze Ordner voller Frauen.» Das ging gründlich daneben.

PFERDE UND BAJONETTE: Obama liefert die wohl berühmteste Retourkutsche vor der Wahl. Im letzten Fernsehduell behauptet Romney, die US-Marine sei heute kleiner als je zuvor seit 1917. Obama entgegnet: «Wir haben auch weniger Pferde und Bajonette. (...) Wir haben diese Dinger, die man Flugzeugträger nennt, und Flugzeuge landen darauf. Wir haben Schiffe, die unter Wasser gehen, nukleare U-Boote.» Da wieherte die Netzwelt. (dpa)

Website Barack Obama

Website Mitt Romney

Spott-Video zu «Dog on the roof»

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