Hintergrund: Mögliche Widrigkeiten bei der US-Wahl

Washington  Bei der US-Präsidentenwahl kann vieles schiefgehen. Verzögerungen durch Nachzählungen liegen durchaus im Bereich des Möglichen. Auch ein Patt ist angesichts der knappen Umfragewerte möglich. Im Jahr 2000 dauerte es Wochen, bis der Sieger feststand.

Wahlmaschine in Missouri bei der Präsidentenwahl 2008.

Foto: Larry W. Smith/Archiv

Wahlmaschine in Missouri bei der Präsidentenwahl 2008. Foto: Larry W. Smith/Archiv

Ein Patt gibt es, wenn weder Amtsinhaber Barack noch sein Herausforderer Mitt Romney die notwendigen 270 Wahlmänner-Stimmen gewinnt. In diesem Fall müsste das neu gewählte Repräsentantenhaus entscheiden. Da auch in der neuen Kammer die Republikaner die Mehrheit erringen dürften, kann sich Romney bessere Chancen ausrechnen. Zuletzt entschied das Abgeordnetenhaus 1876 über den Präsidenten. Der Vizepräsidenten wird dann allerdings vom Senat gewählt. Da hier die Demokraten gute Chancen haben, ihre Mehrheit zu halten - könnte es weiter einen demokratischen Vize Joe Biden geben.

Knappe Wahlergebnisse in den so genannten Swing States, die von Wahl zu Wahl zwischen den Parteien pendeln, können zu erheblichen Verzögerungen führen. So müssen in Florida und Colorado Stimmen nachgezählt werden, wenn der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten 0,5 Prozent oder weniger beträgt. In Ohio muss der Abstand dagegen nur bei 0,25 Prozent liegen - was eine Differenz von weniger als 20 000 Stimmen sein könnte.

Weitere Verzögerungen könnte es durch Einsprüche und Klagen geben. Beide Lager haben Dutzende Anwälte bereitstehen, die derartige Schritte prüfen. Ein solches Szenario erweckt Erinnerungen an die Präsidentenwahl im Jahr 2000: Damals lösten Unklarheiten bei der Zählung in Florida einen Wahlkrimi aus. Erst 35 Tage nach dem Urnengang herrschte Klarheit: Der oberste Gerichtshof musste entscheiden - und kürte George W. Bush zum Sieger vor dem Demokraten Al Gore.

Sorgen bereiten auch die provisorischen Wahlzettel in Ohio. Solche Stimmzettel erhalten Wähler, deren Name zum Beispiel nicht auf Registrierungslisten steht. In Ohio machen die «provisorischen» Wähler etwa 2,5 Prozent der registrierten Wähler aus. Binnen zehn Tagen müssen die Wähler ihre Adresse oder andere Daten nachweisen. Die Auszählung der provisorischen Wahlzettel soll erst am 17. November beginnen. (dpa)

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