Ein-Euro-Jobber reparieren Spielzeug

Peine  Erfolgreiches Landkreis-Projekt ist im vierten Jahr und macht Teilnehmer glücklich – Nach Weihnachten herrscht Hochkonjunktur

Tüfteln gemeinsam (von links): Frank Ahrens, Thorsten Lohr, Hans-Hermann Hintze und Jana Andresen.

Foto: Pahl

Tüfteln gemeinsam (von links): Frank Ahrens, Thorsten Lohr, Hans-Hermann Hintze und Jana Andresen. Foto: Pahl

Kleine Teddybären mit Knopfaugen, gelbe Helme von Bob dem Baumeister, rosafarbene Puppenkleider, Kassetten, Puzzle. Bei der riesigen Auswahl an Spielzeug in der Buch- und Spielzeugkiste der Berufsbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (BBG) des Landkreis Peine leuchten nicht nur Kinderaugen. Die Ein-Euro-Jobber, die das gespendete Material wieder aufbereiten, erfüllt es mit Stolz und Euphorie, wenn sich die Kleinen über das reparierte Spielzeug freuen.

Bevor die Kuscheltiere und Co. im Verkaufsraum landen, haben die Teilnehmer der Maßnahme repariert, gebastelt, getüftelt. „Diese Wertschätzung tut den Teilnehmern unheimlich gut, auch bei geringer Bezahlung“, erklärt Sozialarbeiter Thomas Mückenheim.

Acht Monate bleiben die meist Langzeitarbeitslosen in der Einrichtung. Drei Tage in der Woche arbeiten 48 Kräfte in verschiedenen Abteilungen zwischen 10 und 30 Stunden: So sind einige in der Werkstatt für die Reparatur zuständig, andere erfassen die Spenden in der EDV und wieder andere sind für den Abholservice eingeteilt. Jetzt nach Weihnachten herrscht Hochkonjunktur – viele Kinder, die neues Spielzeug geschenkt bekommen haben, spenden nun ihre ausrangierten Sachen.

In vielen Kartons lagern die Spenden, in einem Raum sind unzählige Bücher in Regalen nach Genre sortiert – „manch einer kommt rein und stellt fest, dass wir besser sortiert sind als eine Bücherei“, berichtet Mückenheim schmunzelnd.

Auf einem Hinweisschild, das an der Wand klebt, steht in roter, fettgedruckter Schrift: zehn Bücher je Kundenkarte im Monat. Das gilt für die Peiner, die Sozialleistungen beziehen, für sie ist die Buch- und Spielzeugkiste gedacht. So sind die auch Spielsachen unterschiedlich markiert: Auf einigen ist ein grüner, auf anderen ein gelber Punkt markiert. „Pro Monat können sich die Kunden etwas mit grünem Punkt aussuchen“, berichtet der Sozialarbeiter. Für gelbe Markierungen würden die Kunden das Budget von zwei Monaten aufbrauchen.

Im vierten Jahr ist dieses Projekt nun, mehr als 1000 Privatkunden besuchten die Einrichtung in der Vöhrumer Straße bereits. „Wir haben klein angefangen“, erinnert sich Sozialarbeiterin Christina Buhtz – zu Beginn mit 30 Teilnehmern. Heute sind es 48 Kräfte. Einer von ihnen ist Hans-Hermann Hintze aus Telgte. Der 47-Jährige ist seit 2000 arbeitslos. Bis Ende Februar wird der gelernte Schlosser bleiben. „Ich habe sehr viel Spaß an dieser Arbeit. Sie ist interessant und abwechslungsreich“, meint Hintze, während er konzentriert und mit viel Geschick in der sogenannten Werkstatt ein Spielzeugauto mit Fernsteuerung repariert. Seine Kollegen schauen ihm über die Schulter, geben Tipps – sie sind alle mit viel Ehrgeiz, Herzblut und Motivation dabei, im Hinterkopf haben sie schließlich die leuchtenden Kinderaugen. „Es ist einfach unbeschreiblich, dieses Gefühl, wenn die Kinder das aufbereitete Spielzeug in den Händen halten und sich darüber freuen“, betont Hintze, der gerne länger in der Maßnahme bleiben würde.

Die Öffnungszeiten der Buch- und Spielzeugkiste sind Montag bis Donnerstag von 9 bis 14 Uhr, Vöhrumer Straße 30, 31228 Peine. Kontakt: 0 51 71 804 76 37.

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