Peiner Ortschaften wetteifern um neue Baugebiete

Peine  Die Stadt will Baugebiete ausweisen. Ortschaftsvertreter wollen sie in ihr Dorf lotsen – obwohl es dazu einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates gibt.

So soll sich in Zukunft die Siedlungsstruktur der Stadt Peine weiter entwickeln. Quelle: Ackers Partner Städtebau Braunschweig,

Foto: Jürgen Runo

So soll sich in Zukunft die Siedlungsstruktur der Stadt Peine weiter entwickeln. Quelle: Ackers Partner Städtebau Braunschweig, Foto: Jürgen Runo

Zeitweise konnten sich Besucher der vergangenen Sitzung des städtischen Planungsausschusses vorkommen wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Umworben wurden von den Ratsmitgliedern allerdings nicht Kunden, sondern neue Baugebiete, gepriesen wurden die Vorzüge der eigenen Ortschaft. Auch Seitenhiebe auf Standortnachteile von „Mitbewerbern“ fehlten nicht.

Schmedenstedts Ortsbürgermeister Andreas Meier sieht für seinen Ort ebenfalls Bedarf an Bauland: „Vier, fünf bis maximal zehn Plätze.“ Denn diejenigen, die Interesse daran hätten, in der Ortschaft neu zu bauen, meldeten sich nur, wenn auch Bauplätze angeboten würden.

Vier unbebaute Baugrundstücke gebe es noch, drei seien unverkauft. „Der Grund ist ausgewiesen für rund 78,80 Euro pro Quadratmeter.“ Zu diesem Preis seien die Flächen nicht zu verkaufen. Und solange die Flächen keine Abnehmer fänden, gebe es keine neuen Ausweisungen. „Das ist ein Stück weit unfair“, sieht Meier seine Ortschaft von der Stadt Peine ausgebremst.

Erster Stadtrat Hans-Jürgen Tarrey widerspricht: „Das ist unsere Erschließungsmaßnahme. Wir können doch kein Interesse daran haben, auf den Grundstücken sitzen zu bleiben.“

Woltorfs Ortsbürgermeister René Laaf erklärt, warum Neubaugebiete so begehrt sind: „Damit hängt natürlich die Hoffnung zusammen, vorhandene Infrastruktur, zum Beispiel Schulen, zu erhalten.“ Da wolle kein Ortsbürgermeister hinten anstehen. „Würde es eine entsprechende Nachfrage geben, würde ich mich auch für ein Baugebiet stark machen“, bekennt Laaf.

In Woltorf sei das letzte Baugebiet vor zwölf Jahren erschlossen worden, sagt Laaf. Ansprüche auf ein neues stelle er aber nicht, denn die Einwohnerzahl in Woltorf stagniere: Aktuelle habe die Ortschaft drei Einwohner mehr als im Jahr 2000.

Laaf treibt mehr die vorhandene Bausubstanz um: „Wir haben sehr viele alte Siedlungshäuser, die irgendwann einer Nachnutzung zugeführt werden müssen.“ Vor diesem Hintergrund sieht er die Ausweisung von Baugrund kritisch. „Nicht, dass die Ortschaften irgendwann wie ein Donut aussehen: innen Höfe, die verfallen, und außen Neubausiedlungen.“ Derzeit gebe es zwar keine Leerstände, aber man müsse damit rechnen, dass Höfe, die nicht weiter genutzt würden, zu Baulücken in Ortschaften führten.

Tarrey sagt: „Es ist immer schon so gewesen, dass sich die Ortschaften über die Einwohnerzahl definieren, weil daran die Infrastruktur hängt.“ Trotzdem verwundere ihn die Diskussion im Ausschuss: „Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes erst im Juni einen einstimmigen Ratsbeschluss zu einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie gegeben hat.“ Beschlossen worden sei, Baugebiete nur an bestimmten Punkten anzubieten: in Stederdorf, im südlichen Stadtbereich und Dungelbeck.

Derzeit gibt es im gesamten Stadtgebiet 41 Baugrundstücke. Gemessen an den Verkaufszahlen der letzten Jahre sei das ein Vorrat von ein bis zwei Jahren, so Tarrey. „Und wir haben angekündigt, in Vöhrum, Stederdorf und Duttenstedt neue Flächen zu erschließen.“ Das stehe im Einklang mit dem Stadtentwicklungskonzept. Das Konzept sieht die Stärkung der Innenstadt, eine vorrangige Entwicklung der Siedlungsschwerpunkte nach innen und die Eigenentwicklung der Dörfer primär im Siedlungsbestand vor.

Ein deutlich größeres Angebot vorzuhalten sei nicht sinnvoll, schließlich würde die Stadt durch Ankauf und Erschließung von Baugrund Gelder langfristig binden, so Tarrey.

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