Rasante Dampflokfahrt auf verschneiten Brockengipfel

Peine  Als Dank an seine Freunde, Verwandte und Bekannte organisierte der Peiner Olaf Grobe eine besondere Brockentour, mit einer historischen Eisenbahn.

Leicht legt sich die Dampflok in die Seite. Schnaufend und tutend erklimmt sie die Kurve beim Aufstieg auf den Brocken: Auf einer Fahrt, die zu einem besonderen nostalgischen und romantischen Eisenbahn-Erlebnis wird.

Zu dem hatte der Peiner Olaf Grobe eingeladen. „Ich wollte eine kleine Reise in einem historischen Zug für Freunde, Verwandte und Bekannte organisieren und ihnen damit eine Freude machen“, erklärt der 42-Jährige. „Als Dankeschön für die Einladungen, die ich von ihnen für Geburtstage oder andere Feiern bekommen habe.“

Dabei sei ihm die Idee für eine Zug-Tour im Harz von Wernigerode auf den Brocken gekommen. Und da er selbst Eisenbahner und begeisterter Liebhaber all dessen ist, was mit der Bahn zu tun hat: Was habe da näher gelegen, als einen Zug zu mieten? Schon zweimal hat er das getan, einmal – vor etwa fünf Jahren nach Straßberg und dann vor sieben Jahren nach Benneckenstein, berichtet er. „Jetzt wurde es mal wieder Zeit. Ich fahre gern mal in einem eigenen Zug “, schmunzelt der Fahrdienstleiter der Bundesbahn.

Und dann läuft dieser Zug in den Bahnhof des Harzer Städtchens Wernigerode ein, in seiner ganzen nostalgischen Schönheit, mit Dampf-Wolken wie mit grau-weißen Wattetupfern umhüllt: Eine rot-schwarze Dampflok der Type 5902 und zwei grüne Personen-Anhänger. Die meisten Gäste, mit Grobe, seiner Freundin und Kindern auch seine Eltern, trudeln mit dem Regionalzug aus Peine ein, andere kommen aus anderen Richtungen dazu.

„Eine Augenweide“, murmelt Vater Helmut Grobe, als er den Zug erblickt. „Aber nicht nur das“, freut sich sein Sohn. „An diesem Zug ist alles original“, erklärt er. Gegen viertel nach zehn geht es dann los, nach gut zwei Stunden soll der Zug auf dem Brocken sein, kündigt Schaffner Martin Körber an. „Aber die Zeit bis dahin wird Ihnen bestimmt nicht langweilig“, meint er augenzwinkernd. „Wenn Sie etwas brauchen, Souvenirs oder etwas zum Aufwärmen von innen zum Beispiel, das haben wir da.“

Solche Hilfsmittel aber sind zunächst überhaupt nicht nötig. Gebannt schauen die 33 Gäste aus den Fenstern. Rauchwölkchen tanzen an den Scheiben und vernebeln leicht den Blick. Dann ein scharfer Pfiff, mehrmals wird laut getutet: Es geht los. Ein Rucken, erst mit leichtem, dann mit schnellem Schnaufen arbeitet sich der Zug aus dem Bahnhof hinaus. Die Gäste umgibt der Charme einer Personenkabine einer Dampflok aus der Zeit um 1900. „Alles in sehr gutem Zustand“, bemerken viele der Gäste. Die mit hellem Holz vertäfelten Wände vermitteln Wärme und gestalten mit den grünen Ledersitzen und dem dunkelbraunen Boden ein kleines, aber uriges Reiseabteil. Die Heizung unter den Sitzen läuft auf Hochtouren und schenkt wohlige Wärme. Langsam beschlagen die Fenster in der feuchten Herbstluft. Einige Gäste zieht es nach draußen.

„Das ist hier möglich“, erklärt Grobe. Man könne zwischen den Abteilen auf einer Plattform stehen und die Fahrt sozusagen „oben ohne“ genießen. Und so wird diese Plattform zum beliebtesten Ausflugs-ziel vor der Ankunft auf dem Brocken, bis es auf einmal auf der Hälfte der Strecke zu schneien anfängt. Weiß breitet sich zwischen den Bäumen aus und wird immer intensiver, als die Bahn nach kleinen Pausen den Brockenbahnhof erreicht. Trotz grauen Himmels bleibt die Laune bestens. Nach einem Imbiss im Restaurant allerdings ist die Sicht fast gleich null. Mittlerweile erreicht der Wind Sturmqualitäten. Wanderer und Mountainbiker kämpfen sich tapfer auf den Gipfel, die Zuggäste kämpfen sich zurück in die Bahn – für eine Schneeballschlacht ist es zu schnell zu kalt geworden. Dann geht es wieder zurück durch die Wetterzonen in den Bahnhof Wernigerode. Von einer Fahrt, die für viele, wie sie sagen, „ein einmaliges Erlebnis gewesen ist“.

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