Gegen den Trend – warum Bilder unscharf sein dürfen

Peine  Am Sonntag ist die Ausstellung „Fotoart“ im Kreismuseum Peine eröffnet worden. 17 Lehrende der Universität Hildesheim stellen mehr als 100 Werke aus.

Diese Bilder sind nicht scharf – warum? Professor Klaus Dierßen erklärt Museumsleiterin Dr. Ulrika Evers seine Intention.

Foto: Katharina Pahl

Diese Bilder sind nicht scharf – warum? Professor Klaus Dierßen erklärt Museumsleiterin Dr. Ulrika Evers seine Intention. Foto: Katharina Pahl

Unterschiedliche Formate, verschiedene Rahmen, unterschiedliche Arbeitsweisen und Motive – die Künstler, deren fotografische Arbeiten seit gestern in der Ausstellung „Fotoart“ im Kreismuseum Peine zu sehen sind, stehen für eine individuelle, künstlerische Position.

Doch die 17 Protagonisten eint eines: Sie sind oder waren alle Lehrende an der Universität Hildesheim. Sie gehören dem Fachgebiet Fotografie des Instituts für Bildende Kunst und Kunstwissenschaften im Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an.

Rund 160 Gäste folgten der Einladung zur Vernissage – sie bestaunten mehr als 100 Werke und konnten sich von der Vielfältigkeit überzeugen: Volker Hanuschke, der seit zehn Jahren einen Lehrauftrag am Institut hat, beispielsweise lag das Hauptaugenmerk auf den Menschen, meist mit industriellem Hintergrund. Aus diesem Grund tragen seine Bilder auch Namen wie „Julia“, „Philipp“ oder „Hans-Peter“.

Viele Besucher blieben fasziniert stehen vor den Bildern des Hildesheimers und stellten nach der Analyse unter anderem fest: „Diese Arbeiten lassen einmal einen anderen Blickwinkel auf die Dinge zu.“

Verwundert die Augen rieben sich die Interessierten beim Wandtableau, bestehend aus Automotiven, von Professor Klaus Dierßen, langjähriger Hildesheimer Leiter des Fachgebietes Fotografie – zu seinen Ehren kam es überhaupt zu der Ausstellung. „Ich habe zunächst gedacht, ich müsste mir meine Brille putzen. Aber die Bilder sind doch unscharf, oder?“, fragte sich und den Künstler selbst eine Besucherin. „Ja, und diese Unschärfe ist sogar beabsichtigt“, erklärte der Professor, der sich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedete, und schob die Beweggründe prompt hinterher: „Es ist ein Gegenarbeiten gegen die Erwartungshaltung, alle Bilder müssten scharf sein.“ Darüber hinaus handelte es sich bei den 20 Fotografien nicht ausschließlich um echte Fahrzeuge. „Es sind auch Spielzeugautos dabei“, erklärte Dierßen.

Für die musikalische Untermalung sorgte das niedersaxophonische Trio mit Mariele Rehmann, Hanns-Wilhelm Goetzke und Wilfried Beck.

•Die Ausstellung im Kreismuseum ist bis zum 3. Februar zu sehen. Jeden Mittwoch um 19.30 Uhr stellen sich zwei der ausstellenden Künstler sich und ihre Arbeiten vor und beantworten Fragen. Die Teilnahme ist kostenlos.

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