Korbiniansapfel bereichert Streuobstwiese in Bortfeld

Bortfeld  Förderkreis Streuobstwiese Bortfeld freute sich über Baumspende der Familie Cohrs-Postulat. Apfelsorte wurde nach Pfarrer Korbinian Aigner benannt.

Von links: Frederik Postulat, Förderkreis-Vorsitzender Rainer Osterloh, Ulrich Cohrs-Postulat, Hannelore Postulat und Lara Cerny.

Foto: Udo Starke

Von links: Frederik Postulat, Förderkreis-Vorsitzender Rainer Osterloh, Ulrich Cohrs-Postulat, Hannelore Postulat und Lara Cerny. Foto: Udo Starke

In Bortfeld war am Samstag am Straßenzug Höhe wieder Pflanzzeit. Auf dem rund 5000 Quadratmeter großen eingezäunten Areal setzten die Mitglieder des Förderkreises Streuobstwiese Bortfeld im Rahmen der elften Aktion neue Obstbäume.

Darunter befand sich dieses Mal ein ganz besonderer Baum, den die Familie Chors-Postulat stiftete. Bei dem Obstbaum handelt es sich um einen sogenannten Korbiniansapfel, benannt nach Pfarrer Korbinian Aigner. „Der Bauernsohn wurde 1885 in Hohenpolding geboren. Nach der Priesterweihe lehrte er ab 1912 Zeichnen am Knaben-Seminar Scheyern. Der Gegner der Nationalsozialisten wurde im Dritten Reich denunziert. Er wurde wegen regimekritischer Äußerungen zu einer Haftstrafe in München-Stadelheim verurteilt. Nach deren Verbüßung war er 1944 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert“, erzählt Hannelore Postulat vor der Pflanzung. Dort habe Aigner zwischen den Baracken unentdeckt Apfelsämlinge gepflanzt. Dabei handelte es sich um die von ihm „KZ3“ genannte Apfelsorte, dem heutigen Korbiniansapfel. Als Häftling habe er schließlich junge Pflänzchen mitgenommen, als er kurz vor Kriegsende flüchten konnte. „ Aigner überlebte die Haft, blieb Seelsorger, pflanzte die Sämlinge in seinem Garten und widmete sich bis zu seinem Tod 1966 dem Obstbau und dessen Verbreitung“, ergänzt die Spenderin. Die Registrierung des Apfels erfolgte 1985.

Die Idee, diesen Apfelbaum auf der Streuobstwiese in Bortfeld zu pflanzen, kam der Familie auf der Dokumenta in Kassel. „Aigner war auch Maler, so stießen wir auf den Namen und haben uns schlau gelesen“, erinnert sich Hannelore Postulat. Mit der Stiftung an den Förderkreis, dessen Mitglied die Spenderfamilie ist, wolle man sich auch mal politisch zeigen.

Nähere Informationen zu dem Apfel hatte am Wochenende Förderkreis-Vorsitzender Rainer Osterloh parat. Geerntet werde der Korbiniansapfel Ende Oktober, seine Genussreife erhalte er dagegen im Dezember bis Mai. „Die Frucht ist mittelgroße, goldgelb, kräftig rot gestreift, saftig und welkt nicht“, weiß Osterloh.

Dabei sei der Baum sehr robust und empfehlenswert für Obstwiesen und Feldflur. Er besitze einen kräftigen Wuchs und habe eine breite Krone. Die Ansprüche an Boden und Klima seien als gering einzuschätzen. Der Apfelbaum sei zudem widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge.

Um die Geschichte des Korbiniansapfels mehr Menschen zugänglich zu machen, will der Förderkreis an ihrem Unterstand eine Hinweistafel einrichten. Auf dem Gelände an der Höhe befinden sich aktuell rund 75 Bäume. Viele Bäume haben dabei Bürger gestiftet, um selten gewordene Sorten wie Holsteiner Zitronenapfel, Geheimrat Oldenburg oder Kaiser Wilhelm zu erhalten.

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