Mastanlage Wendesse – Anwohner wollen Genehmigung verhindern

Peine  Anwohnerin Heike Kubow will ein Umwelt-Gutachten – Antragsteller Erich Hanse sieht darin einzig den Versuch, den Bau der Anlage teurer zu machen.

Hier auf der freien Fläche soll ein zweiter Stall für 45 620 Tiere entstehen.

Foto: Archiv/Bode

Hier auf der freien Fläche soll ein zweiter Stall für 45 620 Tiere entstehen. Foto: Archiv/Bode

Das Genehmigungsverfahren für eine Masthähnchenanlage mit 45 620 Tieren in Wendesse läuft. Einwendungen gegen das Vorhaben können bis zum 14. Dezember beim Landkreis eingereicht werden. Der Widerstand gegen das Projekt formiert sich.

Antragsteller für den Maststall ist Landwirt Erich Hansen. Er betreibt in Wendesse bereits einen Stall, in dem laut Heike Kubow von der Bürgerinitiative „Wendesse gegen industrielle Hähnchenmast“ 39 370 Tiere Platz haben.

Laut Landkreis-Sprecher Henrik Kühn lösen Hansens Pläne ein „großes“ Genehmigungsverfahren aus. „Der wesentliche Unterschied zum vereinfachten Verfahren ist die Öffentlichkeitsbeteiligung. Bei Masthähnchen liegt die Grenze bei 40 000 Tierplätzen.“ Stünden mehrere Anlagen derselben Art in einem „engen räumlichen und betrieblichen Zusammenhang“, würden die Tierplätze zusammengezählt – bei Hansen also die 39 370 vorhandenen und 45 620 geplanten Mastplätze – zusammen 84 990. Ab 85 000 Plätzen bestünde zudem die Pflicht zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

Zur Öffentlichkeitsbeteiligung gehört auch ein Erörterungstermin. Der direkten Konfrontation mit den Maststall-Gegnern sieht Hansen gelassen entgegen: „Dort Einwände vorzubringen, ist ihr gutes Recht.“ Letztlich seien diese Argumente auch schon beim ersten Stall gekommen.

Auch der Farb-Anschlag auf seinen bereits bestehenden Stall schreckt Hansen nicht ab: „Gegen Chaoten kann man nichts machen.“ Allerdings habe er mit der Installation von Kamera- und Alarmanlagen auf seinem Gelände reagiert. Björn Hirsch, Sprecher der Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel, teilte auf Anfrage mit, die Spurenauswertung habe bislang keine Ergebnisse gebracht, laufe aber noch.

Die Kreistagsfraktionen von SPD und Grünen hatten gerade auch im Hinblick auf Hansens Bauvorhaben beim Landrat einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sowie ein Keimschutz- und Brandschutzgutachten beantragt. Hansen: „Die Gegenseite versucht, den Bau teuer zu machen und so zu verhindern. Das hat keine rationalen Gründe.“

Anwohnerin und BI-Mitglied Kubow ärgert sich: „Unglaublich, dass der Landkreis nicht auf die Belange der Einwohner eingeht, obwohl er die Möglichkeit hätte, eine UVP einzufordern.“ Denn gesetzlich sei nur geregelt, dass bei über 85 000 Tieren eine solche Prüfung durchgeführt werden müsse. Ab einer Zahl von über 40 000 liege es im Ermessensspielraum der Behörde.

Mehr Details lesen Sie unserer heutigen Printausgabe.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (10)
    Weitere Artikel aus diesem Ressort