Staatsanwalt fordert 15 Jahre Haft für Mord an vier Kindern

Hildesheim  Der 37-jährige Vater aus Ilsede, der im Juni seine Kinder umgebracht hat, soll wegen vierfachen Mordes ins Gefängnis – das forderte am Mittwoch die Staatsanwaltschaft vorm Landgericht Hildesheim.

Bei einem Familiendrama in Groß Ilsede im Kreis Peine soll ein 37-Jähriger seine vier schlafenden Kinder getötet haben.

Foto: Engel (Archiv)

Bei einem Familiendrama in Groß Ilsede im Kreis Peine soll ein 37-Jähriger seine vier schlafenden Kinder getötet haben. Foto: Engel (Archiv)

Staatsanwalt Wolfgang Scholz begann sein Plädoyer emotional: „Warum sterben immer wieder unschuldige Kinder durch Gewaltexzesse ihnen nahestehender Menschen?“ Auch in diesem Fall sei die Frage nach dem Warum nicht befriedigend beantwortet. Insbesondere das Schweigen der Ehefrau, das ihr gutes Recht sei, habe es dem Gericht nicht leicht gemacht. Sie ist Nebenklägerin im Prozess und hat, so sagte am Mittwoch ihr Anwalt, auf Anraten ihrer Therapeuten nicht ausgesagt. Mittlerweile ist das Ehepaar geschieden.

Eine lebenslange Freiheitsstrafe kommt aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht in Betracht, weil die Steuerungsfähigkeit des Mannes zur Tatzeit erheblich eingeschränkt gewesen sei. In diesem Punkt folgte Scholz der Analyse des psychiatrischen Gutachters. Danach leidet der Angeklagte an einer schweren psychischen Störung, die ihn im Trennungsschmerz am Tatabend „auf eine Schiene gebracht habe, von der er nicht mehr runter kam“. Er habe laut Psychiater nur diesen einen Weg gesehen, mit seinen Kindern weiter zusammen zu sein.

Eine Folgerung, die sowohl der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl am Mittwoch noch mal in Frage stellte, als auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer: Der Abschiedsbrief und die SMS, in denen der Mann seiner Frau vorgeworfen hatte, nur ans Geld und nie an die Kinder gedacht zu haben, seien eindeutig auch ein Racheakt. Scholz: „Damit wollte er in erster Linie seine Frau treffen.“ Das Gesetz sieht vor, dass bei verminderter Schuldfähigkeit die Strafe gemildert wird: Für Mord gilt dann ein Strafrahmen von 3 bis 15 Jahren. Angesichts der „unvorstellbaren Brutalität“, mit der der Angeklagte vorging, sieht Scholz die Strafen für jeden einzelnen Mord im oberen Bereich. 13 Jahre forderte er für die drei Jungen, die im Schlaf starben. 14 Jahre für die Tochter, die sich noch zur Wehr gesetzt habe: „Sie hat ihrem Mörder, ihrem Vater, Aug‘ in Aug‘ gegenüber gestanden“, sagte Scholz.

Eine Unterbringung in der Psychiatrie kommt für den Staatsanwalt nicht in Betracht – es mangele an der vom Bundesgerichtshof in solchen Fällen geforderten „konkreten Wiederholungsgefahr“. Die jedoch sahen sowohl Nebenklage als auch Verteidigung.

Die Verteidigung forderte eine Strafe im unteren Bereich des Strafrahmens von 3 bis 15 Jahren sowie die Unterbringung in der Psychiatrie. Der Anwalt des Angeklagten sagte: „Mein Mandant ist hochgradig suizidgefährdet. Wenn er nicht behandelt wird – und das sehe ich in der Justizvollzugsanstalt nicht – würde er die Gelegenheit irgendwann nutzen.“ Und das könne eben auch so aussehen, dass er sich ins Auto setze und bei Gegenverkehr links rüberziehe.

Die Nebenklage plädierte ebenfalls für eine Unterbringung in der Psychiatrie – „das Risiko eines Suizids ist nicht nur auf ihn selbst beschränkt“, jedoch nicht für eine Strafmilderung, sondern für eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen vierfachen Mordes mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Das letzte Wort hatte der Angeklagte. Kaum zu verstehen sagte er mit gebrochener Stimme: „Die größte Strafe ist für mich, damit zu leben, dass ich meine Kinder so brutal umgebracht habe.“

Der Artikel wurde mehrfach aktualisiert.

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