Schulen in Sierße – „Von Kindern wurde nicht viel verlangt“

Sierße  Die Straßenbezeichnung „An den alten Schulen“ weist in Sierße darauf hin: An dem Weg haben sich früher zwei Schulgebäude befunden.

Ortsbürgermeister Ronald Maschke zeigt auf das Haus „An den Schulen 1“ in Sierße – ab 1856/1857 hat das Gebäude als Schule gedient.

Foto: Harald Meyer

Ortsbürgermeister Ronald Maschke zeigt auf das Haus „An den Schulen 1“ in Sierße – ab 1856/1857 hat das Gebäude als Schule gedient. Foto: Harald Meyer

Seit mindestens 400 Jahren hat es in Sierße eine Schule gegeben – ein Jubiläum, das in Vergessenheit geraten ist. Nein, nicht ganz: Irmgard Stache aus Sierße hat sich an die 400 Jahre erinnert und Ortsbürgermeister Ronald Maschke – zugleich Ortsheimatpfleger – informiert. „Daraufhin habe ich in alten Unterlagen nachgelesen und mich im Dorf umgehört“, schildert Maschke – einiges hat er so über die Sierßer Schulgeschichte herausgefunden:

•Dr. Karl Reichelt hat 1952 seine Chronik „Geschichte der Gemeinde Sierße“ herausgegeben. Seit mindestens 1612 – also seit 400 Jahren – existiert ihm zufolge eine Schule in Sierße: Denn aus Akten im Landeskirchenamt Wolfenbüttel gehe hervor, dass es seit dieser Zeit Lehrer in Sierße gegeben habe. „Das erste Schulgebäude befand sich auf dem heutigen Grundstück ,An den Schulen 2’ nahe der Kirche“, schildert Maschke. Im Oktober 1794 brannte die Schule allerdings ab, an gleicher Stelle wurde das heutige Wohnhaus gebaut. „In der Wohnstube wurden früher die Kinder unterrichtet“, hat Maschke erfahren. Über die Sierßer Schulgeschichte im 18. Jahrhundert schreibt Reichelt: „Da von den Kindern nicht viel verlangt wurde, brauchte auch von den Lehrern nicht viel verlangt zu werden.“

•Das neue Schulgebäude „An den Schulen 1“ wurde erst 1856 oder 1857 eröffnet: Dieses Gebäude steht heute noch, dient inzwischen aber als Wohnhaus. In der Folgezeit gab es zudem das Haus „Dorfstraße 14“ als Schulgebäude, allerdings wahrscheinlich nicht das, das heute dort steht. Maschke: „Zumindest phasenweise waren die Jahrgänge eins bis vier in einem Klassenraum an der Dorfstraße und die Jahrgänge fünf bis acht in einem Klassenraum in ,An den Schulen 1’ untergebracht.“

•Im Oktober 1938 zog die „geteilte Schule“ ins heutige Schulgebäude „Hinter dem Dorfe 5“. Maschke: „Mit dem Bau des Gebäudes wurde wohl 1936 begonnen.“ Das Schulhaus beherbergte zwei Klassenräume – einer für die Jahrgänge eins bis vier, einer für die von fünf bis acht: „Im Keller der Schule war samstags Badetag für die Sierßer: 50 Pfennige hat das pro Person gekostet.“

Heute werden im Gebäude „Hinter dem Dorfe 5“ die dritte und vierte Klasse der Grundschulaußenstelle Bettmar/Sierße unterrichtet, die Klassen eins und zwei in Bettmar. Wird es auch noch in 400 Jahren eine Schule in Sierße geben? „Ich fürchte nein“, gibt Maschke zu.

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