Hausarzt in Wendeburg sucht seit zwei Jahren Nachfolger

Peine  Seit 31 Jahren ist Dr. Reinhard Ziegler Landarzt. Viele seiner langjährigen Patienten fürchten den Tag, an dem der 65-Jährige in Rente geht.

Die Praxis von Dr. Reinhard Ziegler liegt direkt neben einem Feld. Ein großer Garten mit Teich und Kastanienbäumen erstreckt sich dahinter, der Allgemeinmediziner lebt im selben Haus – so stellt man sie sich vor, die Landarzt-Idylle.

Seine Patienten kennt Ziegler seit Jahren, viele von ihnen privat. Er ist einer von drei Hausärzten im Kernort der Gemeinde Wendeburg, einen vierten gibt es in Bortfeld. „Wenn eine der Praxen wegbricht, das wäre schlecht“, sagt Ziegler. „Wir haben alle gut zu tun.“

Seit zwei Jahren sucht der 65-Jährige einen jungen Mediziner, der sich bei ihm weiterbilden, später seine Praxis übernehmen möchte – bislang erfolglos. Er glaubt: „Das unternehmerische Risiko ist vielen zu groß.“ Der Wendeburger Arzt ist mit seinen Nachwuchs-Sorgen nicht allein. Seit Jahren beobachten Experten bereits schwindendes Interesse bei jungen Medizinern, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen – deutschlandweit. Die Auswirkungen sind in der Region bereits heute spürbar: In den Landkreisen Wolfenbüttel oder Gifhorn etwa liege die Versorgungsquote derzeit unter 70 Prozent, sagt Dr. Friedrich Scheibe, Kreisstellensprecher der Kassenärzte in Peine.

„Die Belastung der Hausärzte ist hoch, ihr Verdienst gering“, nennt Scheibe Gründe. 110 000 Euro verdienten diese jährlich im Schnitt. „Das hört sich erstmal viel an. Aber davon müssen auch Rente, Praxisgeräte und Miete, laufende Kosten und die Gehälter der Sprechstundenhilfen gezahlt werden“, rechnet Scheibe vor.

Mit 77 Hausärzten und einer Versorgungsquote von gut 95 Prozent sei der Landkreis Peine derzeit gut aufgestellt – noch. „Unser Problem beginnt in zehn Jahren“, warnt Scheibe. Im Schnitt seien die Ärzte im Kreisgebiet 50 Jahre alt, etwa 15 Prozent älter als 60. Finden sie keine Nachfolger für ihre Praxen, dann werde die Versorgung in den nächsten acht Jahren auf unter 50 Prozent sinken, fürchtet Scheibe. „Wir müssen versuchen, unsere Strukturen zu verbessern, damit uns nicht dasselbe passiert, was in anderen ländlichen Regionen im Umkreis schon Realität ist.“

Um die Aussbildungssituation junger Mediziner zu verbessern und sie an die Region zu binden, haben Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen die sogenannte Verbundweiterbildung ins Leben gerufen, an der sich neben Krankenhäusern landauf, landab, auch das Klinikum Peine beteiligt. „Früher mussten Nachwuchsmediziner ihre Weiterbildung nach dem Studium selbst organisieren“, sagt Scheibe. Jens Hornkohl ist der erste junge Assistenzarzt im Rahmen der Verbundweiterbildung am Klinikum Peine. Seit Januar arbeitet der
32-jährige Saarstedter auf der kardiologischen Station, später will er eine Praxis auf dem Land eröffnen, wie einst sein Vater. „Wenn man sich dort als Hausarzt niederlassen will, muss man Idealist sein, sonst ist man schnell frustriert.“

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