Das Wunder von Lengede – „Geschichte braucht Erinnerungen“

Lengede  Das Grubenunglück hat Lengede bundesweit bekannt gemacht: In einer Gedenkstunde zum 49. Jahrestages gedachte die Gemeinde am Mittwochabend den Opfern.

Das Grubenunglück am 24. Oktober 1963 hat Lengede bundesweit bekannt gemacht: In einer Gedenkstunde anlässlich des 49. Jahrestages gedachte die Gemeinde am Mittwochabend den Opfern dieser Katastrophe – und erinnerte auch an das Sprengstoffunglück im Jahr 1968.

Vor 49 Jahren fieberte ganz Deutschland mit den Verschütteten und erlebte die kaum noch zu erwartende Rettung von elf Bergleuten, die als das „Wunder von Lengede“ in die Annalen einging.

Zur Gedenkstunde begrüßte Lengedes Bürgermeister Hans-Hermann Baas unter anderem Abordnungen der Bergmannsvereine Vallstedt, Woltwiesche, Broistedt und Lengede. Zu Gast waren neben der stellvertretenden Landrätin Eva Schlaugat auch die Überlebenden Emil Pohlei, Adolf Herbst und Gerhard Hanusch. „Es ist gut, wenn Zeitzeugen im persönlichen Gespräch auf das Unglück eingehen können“, betonte Baas. Einst hatte Herbst gesagt, die Retter seien die wahren Helden gewesen, „nicht wir“.

Mit einem „besonderen Glückauf“ hieß Baas die Gäste willkommen, denn der Bergmannsgruß verbinde das Aufwärtsfahren aus der Grube. Für 29 Bergleute habe es damals kein „Glückauf“ gegeben. Es sei die bis dahin größte und spektakulärste Rettungsaktion gewesen, erinnerte der Bürgermeister und verwies die Anwesenden auf die Ausstellung im Lengeder Rathaus.

Bei einem Rundgang können Besucher dort die Geschehnisse verinnerlichen. Baas zufolge sei es wichtig, auch nach 49 Jahren das Geschehene nicht zu vergessen und darüber gemeinsam zu sprechen: „Wir halten die Erinnerung weiter wach, denn Geschichte braucht Erinnerung, auch wenn es schwere Stunden waren.“

Als Gastreferent sprach Hans Schröer, Spezialist für Bohrungen der Firma Deutag aus Bad Bentheim. In seinen Ausführungen blickte er auf die Geschehnisse zurück und sprach von einem zuvor nie dagewesenen Medieninteresse mit zahlreichen Live-Schalten. „Die emotionale Berichterstattung wurde hautnah an die Menschen gebracht, die sich mit den Verschütteten verbunden fühlten“, so Schröer. Man sei förmlich „süchtig nach Neuinformationen gewesen“.

Er schilderte auch die Bohrtechnik, die bei der dramatischen Rettungsaktion von 1963 eingesetzt worden war und weltweit für Aufsehen gesorgt hatte. „Das Wunder von Lengede“ sei unter der Anspannung der schicksalhaften Tage ein technisches Bravourstück gewesen. „Es war eine sehr koordinierte Leistung. Die Rettungsaktion mit der Dahlbusch-Bombe war in ihrer Dramatik nicht zu übertreffen“, so Schröer.

Wenn sich im kommenden Jahr das Unglück zum 50. Mal jährt, soll die Gedenkfeier im Freien am einstigen Schacht Mathilde stattfinden.

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