«Vatileaks»: Prozess Nummer Zwei startet

Rom  Einen Monat nach der Verurteilung des päpstlichen Kammerdieners wegen des Diebstahls von Dokumenten hat im Vatikan der zweite Prozess in der «Vatileaks»-Affäre begonnen.

Blick auf den Petersplatz und den Petersdom: Nun startet der zweite «Vatileaks»-Prozess.

Foto: Claudio Peri

Blick auf den Petersplatz und den Petersdom: Nun startet der zweite «Vatileaks»-Prozess. Foto: Claudio Peri

In dem Verfahren muss sich der Computertechniker Claudio Sciarpelletti wegen Begünstigung vor dem Tribunal des Heiligen Stuhls verantworten. Er soll dem Kammerdiener Paolo Gabriele geholfen haben, Dokumente des Papstes zu entwenden, die dann veröffentlicht wurden. Es gehe um Beihilfe, nicht um Komplizenschaft, hielt der Vatikan dazu fest.

Am ersten Verhandlungstag wies das Tribunal in Anwesenheit des Programmierers den Antrag seines Verteidigers zurück, die Anklage wegen Nichtigkeit fallenzulassen. Nach einem anonymen Hinweis aus dem vatikanischen Staatssekretariat wegen «häufiger Kontakte zwischen Gabriele und Sciarpelletti» waren die Ermittlungen eingeleitet worden. Der Prozess wird am Samstag mit der Vernehmung des Angeklagten und der Zeugen fortgesetzt. Er könnte noch am gleichen Tag zu Ende gehen.

In Rom wird in jedem Fall mit einem kurzen Verfahren gegen den italienischen Computertechniker gerechnet. Ihm drohen bis zu zwölf Monate Haft. Der Kammerdiener war in dem ersten Prozess am 6. Oktober zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Wie freundschaftlich sie einander verbunden waren, ist eine Kernfrage. Großes Vertrauen habe es nicht gegeben, sagt die Verteidigung. So habe sich Gabriele sechs Jahre lang geweigert, den Programmierer an seinen Computer zu lassen.

Der 48-jährige Programmierer des vatikanischen Staatssekretariats hatte sich während der Ermittlungen in Widersprüche verstrickt. In seinem Büroschreibtisch fanden die «Vatileaks»-Fahnder einen Umschlag mit der Aufschrift «P. Gabriele persönlich». Darin waren päpstliche Dokumente, wie sie von einem italienischen Autor und Journalisten veröffentlicht worden sind. Der Computertechniker machte während der Verhöre auch sich widersprechende Aussagen dazu, wie eng sein Kontakt zu dem damaligen Kammerdiener von Benedikt XVI. wirklich gewesen ist.

Der Prozess gegen den Computerexperten war von dem Verfahren gegen den früheren Kammerdiener abgetrennt worden. Gabriele ist am 6. Oktober zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Er soll in dem Prozess jetzt als Zeuge aussagen. Der in einem veröffentlichten Schreiben als «Napoleon im Vatikan» beleidigte Kommandant der Gendarmerie des Heiligen Stuhls, Domenico Giani, ist ebenfalls als Zeuge geladen.

Das Urteil gegen Gabriele ist rechtskräftig, er trat seine Haft an. Offen ist, ob und wann Benedikt ihn begnadigt. Geheime Dokumente vom Schreibtisch des Papstes mit teils brisantem Inhalt waren über den Kammerdiener in die Öffentlichkeit gelangt. Trotz Spekulationen in den Medien waren die Richter dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass Gabriele allein handelte und es keine Verschwörung gegeben habe. (dpa)

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