«Sandy»-Opfer leiden unter Kälte

New York/Port-au-Prince  In Manhattan ist der Strom wieder da, doch für die anderen Opfer des Wirbelsturms «Sandy» innerhalb und außerhalb der USA hat sich die Lage eher verschlechtert.

Zehntausende im New Yorker Finanzdistrikt haben zwar seit Samstag (Ortszeit) wieder Licht und Heizung, doch die anderen leiden unter einer Kältewelle. Auch Benzin ist nach wie vor knapp, die Schlangen sind teilweise mehr als einen Kilometer lang. In Haiti stehen die Menschen vor einem bitteren Winter, weil der Sturm die Ernten zerstört hat.

Mit Jubelrufen wurde am Samstagabend die Rückkehr der Elektrizität nach Südmanhattan gefeiert. Fünf Tage war der Finanzdistrikt ohne Strom und damit ohne Licht, ohne Heizung, ohne Wasser und ohne Fahrstühle. «Es ist ein unbeschreiblicher Luxus, einfach ein bisschen Licht zu haben und Wasser zum Händewaschen oder in der Toilette», sagte ein Anwohner. «Es war fast eine Woche ein bisschen Dritte Welt.»

Den Sturmopfern in anderen Teilen New Yorks und der US-Ostküste bereitet hingegen Sorgen, dass in den vergangenen Tagen die Temperatur um gut zehn Grad gefallen ist. Der Himmel über New York war zwar blau, der Wind bei knapp über null Grad in der Nacht zum Sonntag aber schneidend. Die Stadt verteilt Tausende Decken und fordert Frierende auf, in die beheizten Notunterkünfte zu kommen. In vielen Regionen kann es noch Tage dauern, bis Strom, Wasser und Heizung wiederkommen.

Trotz Sofortmaßnahmen von Stadt, Staat und Bund blieb auch Benzin extrem knapp. Die Army verteilte zwar aus Tanklastern kostenlos Benzin, doch vor diesen Verteilstellen bildeten sich ebenso wie vor den wenigen noch geöffneten Tankstellen lange Schlangen. Abhilfe soll in ein paar Tagen kommen. Zum einen wird mit Lastzügen Benzin und Diesel herbeigeschafft. Zum anderen sollen Raffinerien und Tankerhafen bald wieder voll arbeiten. Einige Tankstellen haben noch Benzin - können es wegen Stromausfalls aber nicht aus den Tanks pumpen.

Die Präsidentschaftswahl am Dienstag soll aber auf jeden Fall stattfinden. Allerdings sind einige Wahllokale noch ohne Strom. Möglicherweise müssten die Stimmen dann in Zelten oder in Containern auf Militärlastwagen abgegeben werden.

Die Regierung Haitis hat am Samstag den Notstand ausgerufen. Die Regenfälle des Wirbelsturmes hatten in weiten Teilen des Karibikstaats die Ernten zerstört. Nun werden in dem noch immer unter der Erdbebenkatastrophe von 2010 leidenden Land die Lebensmittel knapp. Außerdem nimmt die Zahl der Cholera-Fälle nach Angaben von Hilfsorganisationen wieder zu.

In Haiti richtete «Sandy» nach vorläufigen Schätzungen des nationalen Koordinationsbüros für Lebensmittelsicherheit (CSNA) einen Schaden von über 104 Millionen Dollar an, wie die Zeitung «Le Nouvelliste» online berichtete. Der Notstand erlaube es der Regierung, Maßnahmen zu ergreifen, um den Menschen zu helfen und dem drohenden Hunger zu begegnen, sagte Kommunikationsministers Ady Jean Gardy.

Die Zahl der Toten nach dem Wirbelsturm stieg derweil nach Angaben des Nachrichtensenders CNN allein in den USA auf 106. Hinzu kommen 2 Todesopfer in Kanada und 67 weitere in der Karibik, die meisten davon in Haiti. Und vielerorts geht die Suche nach Vermissten weiter. (dpa)

US Hurricane Center

Bericht von CNN

Bericht des Weather Channel

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