Nach «Sandy»: Marathon abgesagt - Benzin wird knapp

New York  Einige Tage nach dem Wirbelsturm «Sandy» geht den New Yorkern nun auch noch das Benzin aus. «No Gas!» («Kein Benzin!») steht an immer mehr Tankstellen, an anderen bilden sich lange Schlangen.

In einigen Teilen des Katastrophengebietes wird Treibstoff nur noch rationiert abgegeben. Und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg lässt eine Anordnung strikt durchsetzen: Wer mit dem Auto in die Stadt fahren möchte, muss mindestens drei Leute im Wagen haben.

Polizisten haben die Brücken nach New York - die Tunnel sind noch überflutet - mit Straßensperren verengt und schauen in jedes Auto. Wer nur zu zweit oder gar allein fährt, wird gnadenlos herausgewinkt. Mit der Anordnung will Bloomberg das wenige Benzin in der Region besser nutzen und die Straßen entlasten. Weil viele Gebiete noch überschwemmt, gesperrt oder beschädigt sind, staut sich der Verkehr in und nach Manhattan noch mehr als sonst.

Am Freitagabend (MEZ) eine Hiobsbotschaft für Läufer, die sich auf den weltberühmten New York Marathon an diesem Sonntag gefreut hatten: Die Stadt habe das Rennen mit 47 000 Teilnehmern abgesagt, meldete die «New York Times». Zuvor hatte es Kritik daran gegeben, dass die Stadt trotz der Folgen des Wirbelsturms an dem Ereignis festhalten wollte.

Einige U-Bahnen fahren bereits wieder, aber nicht nach Süd-Manhattan und nicht zwischen den Stadtteilen. Wer von Manhattan nach Brooklyn oder Queens will, muss in den Bus umsteigen, der über eine der Brücken fährt. Doch auch die nach einem abgespeckten Fahrplan fahrenden Busse sind hoffnungslos überfüllt, an manchen Haltestellen warten Hunderte Menschen auf einen Bus. Geringer Trost: Die Nutzung des Nahverkehrs ist nach wie vor kostenlos.

Etwa 80 Prozent der Tankstellen, berichtete der Fernsehsender NBC, hätten kein Benzin mehr - oder keinen Strom, um es aus den Tanks zu pumpen. An den wenigen Tankstellen, die noch Treibstoff haben, bilden sich Schlangen von bis zu einem Kilometer Länge. Polizisten sorgen für Ordnung, weil sich immer wieder Autofahrer nach stundenlangem Warten in die Haare geraten. CBS berichtete, einer soll einen anderen sogar mit einer Pistole bedroht haben.

Einige Autofahrer würden 70 oder 80 Kilometer fahren, um eine Tankstelle mit Benzin zu finden, hieß es. Abhilfe soll erst in Tagen kommen. Denn noch arbeiten die Raffinerien der Umgebung nach Sturmschäden nicht oder nur eingeschränkt. Und Tanker können die Häfen in New York und New Jersey noch nicht anfahren. Auch das soll sich aber schnell ändern.

Für Freitagabend (Ortszeit) hatte Popstar Bon Jovi mit prominenten Musikern wie Sting, Billy Joel und Bruce Springsteen ein Benefiz-Konzert in New York angekündigt. Die Spenden sollen den «Sandy»-Opfern zugutekommen.

Die Zahl der Toten nach dem Wirbelsturm «Sandy» ist nach offiziellen Angaben auf mehr als 90 gestiegen. Und die Suche nach Vermissten geht weiter. In New York gingen weitere U-Bahnlinien wieder in Betrieb. Parks und Spielplätze sollen am Wochenende aufmachen.

Noch immer leben Millionen Menschen ohne Strom, Licht, Heizung, Trinkwasser, funktionierende Telefone oder Toiletten. Allein in New York haben laut dem US-Nachrichtensender CNN rund 500 000 Menschen keinen Strom. An der US-Ostküste waren offiziellen Angaben zufolge noch immer fast 3,5 Millionen Menschen ohne diese Grundversorgung. Bis die Elektrizität wieder funktioniert, kann es nach Angaben des Versorgers in einigen Gegenden noch bis zu zwei Wochen dauern.

Nach Schätzungen der Bundesbehörden verursachte «Sandy» im Osten der USA einen Gesamtschaden von 20 Milliarden Dollar. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat ging sogar von einem volkswirtschaftlichen Schaden zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar aus. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, bezifferte in einem Brief an Präsident Barack Obama die Schäden für die Millionenmetropole am Hudson auf insgesamt sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro). (dpa)

NBC-Bericht

CBS-Bericht

US Hurricane Center

«Sandy»-Grafik in Echtzeit

Mitteilung der Wasserverkehrsbetriebe

Webcam der «New York Times»

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