Solidaritätswelle nach «Sandy»

New York  Auch Tage nach dem verheerenden Wirbelsturm «Sandy» leben zehntausende Menschen an der US-Ostküste immer noch unter katastrophalen Bedingungen. In Teilen der Millionenmetropole New York gab es weiter weder Strom, Licht, Heizung, Trinkwasser, noch funktionierende Telefone oder Toiletten.

Die Zahl der Todesopfer in den USA stieg laut CNN weiter auf 88. Das Leid der Menschen löste eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft aus. Bürger, Unternehmen und Prominente spendeten bereits fast 20 Millionen Dollar. Am Freitag ist in New York ein Benefiz-Konzert mit Stars wie Bon Jovi, Sting und Bruce Springsteen geplant.

In Teilen der Stadt normalisierte sich das Leben langsam wieder: Alle drei großen Flughäfen nahmen ihren Betrieb wieder auf. Busse fahren wieder und auch die ersten U-Bahnen, Züge und Fähren. Viele Geschäfte und auch einige Museen und Theater waren wieder geöffnet. Auch auf Baustellen dürfe wieder gearbeitet werden, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Donnerstag. Parks und Spielplätze sollen am Wochenende wieder aufmachen. Der Marathon sollte am Sonntag wie geplant stattfinden - daran gab es allerdings auch Kritik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekundete in einem Schreiben an US-Präsident Barack Obama ihr Beileid. Obama hatte am Mittwoch den schwer heimgesuchten Bundesstaat New Jersey besucht und rasche Hilfe zugesichert. Selbst politische Feinde der USA zeigten sich großmütig: Iran bot die Entsendung von Flutexperten an, Kuba - selbst schwer betroffen - kondolierte.

Nach Schätzungen der Bundesbehörden verursachte «Sandy» im Osten der USA einen Gesamtschaden von 20 Milliarden Dollar. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat ging sogar von einem volkswirtschaftlichen Schaden zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar aus. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, bezifferte in einem Brief an Obama die Kosten für die Millionenmetropole am Hudson auf insgesamt sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro).

Zusammen mit den Opfern aus der Karibik forderte «Sandy» mehr als 140 Leben. Allein in New York starben nach Angaben von CNN 37 Menschen. Manche der Opfer wurden vor ihrem Tod zu Helden, andere kamen auf tragische Art und Weise ums Leben. Viele wurden von Ästen erschlagen - einige auf der Straße, einige aber auch zu Hause im Bett. Eine 23-Jährige trat in eine Pfütze, in die ein abgerissenes Elektrokabel hineingefallen war. Sie starb an einem Stromschlag.

Im Stadtteil Staten Island wurden am Donnerstag nach Angaben des Fernsehsenders NBC die Leichen zweier Jungen im Schlamm gefunden. Die Mutter der zwei und vier Jahre alten Jungen hatte während des Sturms versucht, sie festzuhalten. Die Wassermassen spülten sie aber fort.

Ein 28 Jahre alter Polizist rettete sieben Menschen das Leben. Als das Wasser in der Sturmnacht in seinem Haus immer weiter stieg, schaffte er alle nach oben - der älteste ein fast 70-jähriger Mann, der jüngste sein 15 Monate alter Sohn. Ein letztes Mal tauchte der Polizist in den Keller und kam nicht mehr zurück. Manche Gegenden in New York sähen aus wie London oder Dresden nach den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg, beschrieb Bürgermeister Bloomberg seine Stadt. Besonders schwer traf es Breezy Point, ein direkt am Atlantik gelegenes pittoreskes Viertel. Zuerst kamen die Fluten, dann das Feuer, wahrscheinlich ausgelöst durch Kurzschlüsse. Mehr als 80 hölzerne Häuser brannten nieder. Auch der südliche Teil Manhattans ist nachts wegen der Stromausfälle nach wie vor bis auf wenige Ausnahmen stockfinster.

Unterdessen normalisierte sich die Lage am Frankfurter Flughafen nach mehreren Flugausfällen wieder. Nur drei Flüge nach New York müssten am Donnerstag annulliert werden, teilte der Flughafenbetreiber Fraport am Donnerstag mit. (dpa)

CNN-Bericht

US Hurricane Center

«Sandy»-Grafik in Echtzeit

Mitteilung der Wasserverkehrsbetriebe

Webcam der «New York Times»

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