Türkei will mutmaßlichen Schläger wohl ausliefern

Berlin/Ankara  Im Fall der tödlichen Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz hat die Türkei eine Auslieferung des Hauptverdächtigen in Aussicht gestellt. Sollten die Voraussetzungen dafür erfüllt sein, werde sein Land den Mann ausliefern, sagte der türkische Justizminister Sadullah Ergin am Mittwoch in Ankara.

Nach der tödlichen Prügelattacke am Alexanderplatz erwägt die Türkei eine Auslieferung des Hauptverdächtigen.

Foto: Michael Kappeler

Nach der tödlichen Prügelattacke am Alexanderplatz erwägt die Türkei eine Auslieferung des Hauptverdächtigen. Foto: Michael Kappeler

Zuvor hatte er sich mit seiner deutschen Amtskollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) getroffen. Der 19 Jahre alte Verdächtige hatte sich nach der Tat in die Türkei abgesetzt. Sein Aufenthaltsort ist den Behörden bekannt. Ermittler halten ihn für die treibende Kraft der Gewaltorgie.

Die Berliner Strafverfolgungsbehörden wollten sich nicht zu der türkischen Ankündigung und ihrer Fahndung äußern. «Es ist nicht hilfreich, wenn die Tatverdächtigen aus den Medien vom Fahndungsstand erfahren», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Unklar blieb so auch, ob es nähere Hinweise zu den beiden anderen flüchtigen Tatverdächtigen gibt.

Der türkische Justizminister betonte, es gebe ein internationales Abkommen und bestimmte Verfahren für eine Auslieferung von Straftätern. Die Türkei sei in dieser Frage immer seiner Verantwortung nachgekommen. Das gelte auch in diesem Fall. Zu Einzelheiten äußerte Ergin sich nicht.

Bereits am Dienstag war bekanntgeworden, dass die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ein entsprechendes Festnahmeersuchen prüfe. Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hatte erklärt, er halte eine baldige Auslieferung des 19-Jährigen für möglich.

Zwischen Deutschland und der Türkei gilt das europäische Auslieferungsübereinkommen von 1957. Demnach werden gesuchte Straftäter an die Partnerländer ausgeliefert, nicht aber eigene Staatsbürger. Seit 2009 gibt es deutsche Richtlinien, nach denen Auslieferungsersuchen an die Türkei auf diplomatischem Wege übermittelt werden.

Insgesamt wird sechs Männern vorgeworfen, in der Nacht zum 14. Oktober einen 20-Jährigen vor einem Lokal ohne Anlass so brutal zusammengeschlagen und getreten zu haben, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Zwei 19 und 21 Jahre alte Verdächtige sitzen bereits in Untersuchungshaft. Ihnen wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Ein Dritter, der sich in Berlin gestellt hatte, ist auf freiem Fuß.

Unterdessen reißt die öffentliche Debatte über Jugendgewalt nicht ab. Am Abend wollte die Schwester des getöten 20-Jährigen in der ARD-Talkshow von Anne Will zum Thema «Keine Gnade für die Opfer - was soll mit den Schlägern geschehen?» auftreten (23.45 Uhr). Im ZDF will Maybrit Illner am Donnerstag ebenfalls mit der Schwester reden. Mitdiskutieren zum Thema «Ich schlag Dich tot! Jugendgewalt - wahllos und gnadenlos?» wird unter anderem auch Justizsenator Heilmann. (dpa)

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