Nach Wirbelsturm «Sandy» verspricht Obama Hilfe

Washington/New York  Nach dem Durchzug von Jahrhundertsturm «Sandy» mit mindestens 50 Toten in den USA hat Präsident Barack Obama die Katastrophengebiete besucht. Bei seinem Blitzbesuch im schwer heimgesuchten Bundesstaat New Jersey sagte er den Bewohnern rasche Hilfen der Regierung zu.

«Wir sind für Euch hier», sagte Obama am Mittwoch. «Wir werden nicht vergessen.» Zuvor hatte er sich einen Überblick über die Zerstörungen gemacht und mit Betroffenen gesprochen.

Unterdessen laufen in den überschwemmten Gebieten an der US-Ostküste die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. In einigen Regionen trat wieder Normalität ein - an manchen Orten wie etwa New York allerdings nur sehr schleppend.

Der Sturm kostete nach Angaben des TV-Senders CNN insgesamt 118 Menschen das Leben: 50 Menschen starben in den USA. Weitere 68 kamen bereits zuvor ums Leben, als «Sandy» über die Karibik hinwegfegte. In der Stadt New York selbst gab es nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg 18 Tote. Die Schäden gehen in die Milliarden.

«In unseren Herzen denken wir an die Familien, die ihre Liebsten verloren haben», sagte Obama in der Ortschaft Brigantine direkt am Atlantik. «Höchste Priorität hat die Stromversorgung», fügte er in einer kurzen Rede vor Journalisten hinzu. «Wir werden hier nicht weggehen, bevor das Notwendige getan ist.»

Obama landete am Mittwochnachmittag (Ortszeit) mit dem Präsidentenflugzeug «Air Force One» in Atlantic City. Er betrachtete gemeinsam mit dem republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, die Überschwemmungsgebiete zunächst aus der Luft und dann vom Auto aus. Christie begrüßte seinen in einer khakifarbenen Hose und blauen Regenjacke gekleideten politischen Gegner Obama mit Handschlag.

In New York fuhren am Mittwoch wieder Busse und zwei der drei Flughäfen sind wieder geöffnet - doch Südmanhattan und einige Gebiete von Brooklyn und Queens sind von Normalität weit entfernt. Die so wichtige U-Bahn in New York sollte am Donnerstag wieder fahren - zumindest ein paar Züge. «Es wird einen begrenzten Dienst geben mit einem Busersatzverkehr zwischen Manhattan und Brooklyn», sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

Bürgermeister Bloomberg verhängte ein Verbot für Autos mit weniger als drei Insassen nach Manhattan. Die Regel, die zwischen 6.00 Uhr morgens und Mitternacht (Ortszeit) gilt, olle Pendlern das Leben einfacher machen. Ähnliche Maßnahmen gab es nach den Anschlägen am 11. September 2001.

Weil die Tunnel unter dem East River noch voll Wasser sind, müssen die Fahrgäste auf dem Weg in den anderen Stadtteil auf die Busse umsteigen. «Allerdings wird es keinen Verkehr südlich der 34. Straße geben, weil da schlicht kein Strom ist», sagte Cuomo. Das ist das gesamte südliche, und vielleicht wichtigste, Drittel von Manhattan.

Die ersten Vorortzüge fahren bereits wieder und auch der Busverkehr laufe wieder planmäßig, wenn auch nach dem dünneren Samstagsfahrplan. Auch die internationalen Flughäfen John F. Kennedy und Newark sind wieder geöffnet, die Zahl der Starts und Landungen reichte aber nicht annähernd an den Standard mit 130 000 Passagieren am Tag heran. Zwischen New York und New Jersey fahren wieder einige Fähren, für die auch bei Touristen beliebte Staten Island Ferry gibt es aber keinen Starttermin. Und auch im Straßenverkehr gab es noch Probleme: Viele Ampeln sind kaputt oder haben keinen Strom.

Die Schulen in New York bleiben auf Anordnung Bloomsbergs noch bis Ende der Woche geschlossen. «Mir ist klar, dass das für Eltern große Unannehmlichkeiten bedeutet», sagte Bürgermeister.

Wirtschaftsexperten schätzen den Sachschäden auf 10 bis 20 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro). Damit würde sich «Sandy» in die zehn teuersten Stürme der USA einreihen. Hinzu kommt der tagelange Stillstand in vielen Firmen. Trotzdem gehen Ökonomen nur von einer geringen Belastung für die Gesamtwirtschaft aus.

Während Präsident Obama New Jersey besuchte, beendete der republikanische Präsidentschaftskandidat Romney den kurzen, vom Sturm bedingten «Waffenstillstand» und ging in Florida auf Wahlkampf-Tour. Florida gilt als einer der wichtigsten sogenannten Swing-States, in denen das Ergebnis noch offen ist. Gewählt wird am 6. November. Experten streiten aber, ob der Sturm tatsächlich Einfluss auf die Wahl haben kann.

Die große Halloween-Parade, zu der am Mittwochabend im Viertel Greenwich Village 40 000 Menschen erwartet worden waren, wurde zum ersten Mal in ihrer fast 40-jährigen Geschichte gestrichen. Auch Obama sagte das Halloween-Fest für Kinder im Weißen Haus ab. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, verschob das Fest für seinen Bundesstaat auf Montag.

Derweil soll der New-York-Marathon wie geplant am Sonntag über die Bühne gehen. Das erste Saisonspiel der Brooklyn Nets in der Basketball-Profiliga NBA gegen den Lokalrivalen New York Knicks muss dagegen verschoben werden.

Auf die New Yorker könnte noch ein ganz anderes Problem zukommen: Experten fürchten, dass die unzähligen Ratten aus dem New Yorker Untergrund vom Wasser an die Oberfläche gedrängt werden könnten. Immerhin: Berichte von Haien auf den überfluteten Straßen New Yorks sind nur Internetlegenden. (dpa)

US Hurricane Center

«Sandy»-Grafik in Echtzeit

Mitteilung der Wasserverkehrsbetriebe

Webcam der «New York Times»

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