ADAC testet Kindersitze auf Schadstoffe

München  Beim neuen ADAC-Kindersitztest ist ein Modell wegen hoher Schadstoffbelastung durchgefallen. Sechsmal vergaben die Tester die Note «gut», fünfmal «befriedigend» und einmal «ausreichend», wie der Autoclub in München mitteilte.

12 von 13 Modellen haben den Test bestanden.

Foto: Patrick Pleul/Archiv

12 von 13 Modellen haben den Test bestanden. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Beim zweiten Kindersitztest von ADAC und Stiftung Warentest in diesem Jahr wurden 13 Modelle geprüft. Es waren unter anderem Produkte, die beim ersten Test vom Mai noch nicht auf dem Markt waren. Damals waren 33 Sitze getestet worden, 5 fielen wegen Sicherheitsmängeln durch.

Die Gesamtbilanz 2012 sieht nicht schlecht aus: Genau die Hälfte der insgesamt 46 Modelle bekam die Note «gut». «In den letzten Jahren sind die Produkte Stück für Stück besser geworden», sagte der Leiter des Herbsttestes, Thomas Unger. Der ADAC wertet das auch als Erfolg seiner Tests.

Bei dem mangelhaften Sitz in dem zweiten Test des Jahres handelt es sich ausgerechnet um ein Modell für die allerjüngsten Mitfahrer bis zu eineinhalb Jahren. Grund für die schlechte Note war der hohe Schadstoffwert. Der Sitz habe zwar bei der Sicherheitsprüfung überzeugt, doch enthalte der Bezug Stoffe, die im engen Körperkontakt für Kinder schädlich sein können, erläuterte der ADAC.

Ein weiterer Sitz für Kinder im Alter von ein bis zwölf Jahren bekam bei den Schadstoffen nur ein «ausreichend». Tendenziell seien Kindersitzbezüge aber schadstoffärmer geworden, betonte der ADAC. Bei dem Herbsttest bekamen immerhin sieben Sitze - und damit mehr als die Hälfte - bei der Schadstoffbelastung ein «sehr gut».

Beim ersten Test im Mai waren 5 von 33 Autokindersitzen durchgefallen - alle wegen erheblicher Mängel bei der Sicherheit. Im zweiten Testteil gab es in Sachen Sicherheit bei mehr als der Hälfte der Modelle gute Noten, die übrigen wurden wenigstens als «befriedigend» eingestuft. Die Gesamtnote «sehr gut» konnten die Tester allerdings im Jahr 2012 kein einziges Mal vergeben.

Ein Beispiel für die Verbesserungen seien die Sitze - oder Sitzerhöher - für die älteren Kinder, sagte Unger. Um einen ausreichenden Schutz auch zur Seite hin zu gewährleisten, sei eine Rückenlehne nötig. Das hätten inzwischen fast alle Hersteller berücksichtigt. «Sie werden fast nur noch mit Rücklehnen verkauft.»

Der Autoclub erwirbt die Testsitze anonym. Von jedem Modell gehen mindestens 3, teils aber bis zu 20 Exemplare in den Test - je nachdem, wie viele Einbauvarianten es gibt. Mit einem Prüfschlitten, auf dem eine Autokarosserie montiert ist, simulieren die Tester mit Dummies jeweils Front- und Seitenaufprall. Der ADAC kritisiert seit langem, dass für die amtliche Zulassung von Kindersitzen noch keine Seitencrashtests vorgeschrieben sind, obwohl es entsprechende Überlegungen gibt. «Das ist für uns ein sehr wichtiges Kriterium für den Kindersitz», sagte Unger. Denn an den Seiten gebe es praktisch keine Knautschzone und oft keine Airbags in für Kinder geeigneter Brust- oder Kopfhöhe. «Deshalb ist der Seitencrash gefährlich.»

Der ADAC prüft auch den Gurtverlauf, die Größenanpassung, die Standfestigkeit auf dem Fahrzeugsitz, die Kopfabstützung und die Ergonomie. 2011 wurde das Verfahren angepasst. Seitdem werden Teile, mit denen das Kind in Kontakt kommt, auch auf Schadstoffe geprüft. Unter anderem wird auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersucht, die manchmal krebserregend sein können, ferner auf Flammschutzmitteln, bestimmte Farbstoffe und Schwermetalle.

Im vergangenen Jahr verunglückten bei Autounfällen 24 Kinder im Alter bis zu 12 Jahren tödlich, 953 wurden schwer verletzt, wie der ADAC unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berichtete. (dpa)

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