„Zeitungen formen Demokratie“

Braunschweig  Braunschweigs OB Markurth begrüßt die Teilnehmer von „Zukunft Bilden“. Chefredakteur Armin Maus sagt, warum neue Parteien der Demokratie guttun.

Zum Auftakt der siebten „Zukunft Bilden“-Saison hat Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) die Auszubildenden eingeladen, sich in dem Projektzeitraum eine Meinung über die lokalen und internationalen Nachrichten zu bilden und in der Demokratie mitzumischen. Die Zeitungslektüre und der Austausch mit Menschen in Gesprächen und in Foren seien verschiedene Wege dazu.

„Wer hat recht? Putin oder die anderen? Erdogan oder die anderen? Nur wer gut informiert ist, kann mitreden, mitentscheiden und seine eigene Lebenswelt mitgestalten“, sagte das Stadtoberhaupt. „Wer sagt, meine kleine Welt ist zu kompliziert und sich abschotten will, wird keinen Erfolg haben. Dann kommt die Welt zu Ihnen.“

Auch Bettina Rothärmel, Prokuristin im BZV Medienhaus, ermunterte die Auszubildenden, regelmäßig morgens eine Zeitung in die Hand zu nehmen. „Sie insgesamt durchzulesen, ist natürlich gar nicht zu schaffen. Aber suchen Sie sich doch ein oder zwei Artikel aus, und Sie werden sehen, dass Sie schnell auch die Hintergründe und die Vorgeschichte zu dem jeweiligen Thema kennenlernen.“

Armin Maus, Chefredakteur dieser Zeitung, erläuterte in einem Impulsvortrag, wieso neue Parteien gut für die Demokratie sind. „Der Einzug der AfD in unsere Parlamente ist Volkes Wille. Die Partei sagt offensichtlich das, was 10 bis 15 Prozent der Bürger denken. Die AfD ist kein Problem der Demokratie. Ihre Existenz ist die Folge der Demokratie. Diese Partei kann Stimmungen in der Bürgerschaft aufnehmen, weil wir die Meinungsfreiheit genießen.“

In den USA dagegen fehle es der Politik an Auffrischung. Maus: „Die Bürger haben im Wesentlichen nur die Wahl zwischen Republikanern und Demokraten. In Deutschland hat es immer wieder neue politische Kräfte gegeben, etwa die Grünen oder die Piraten. Ich möchte, dass diese Demokratie so frisch und vital bleibt wie am ersten Tag. Sie lebt von der Debatte, nicht vom Verschweigen.“

Die letztjährigen „Zukunft Bilden“-Absolventen Lena Bartosch und Tamara Müller von der Braunschweigischen Landessparkasse und Onur Cet von MAN machten den neuen Teilnehmern Appetit auf die vielfältigen Aktionen, die innerhalb des kommenden Projektjahres auf sie warten. Bartosch und Müller berichteten über die Schreibwerkstatt, an der sie teilnahmen. „Bevor wir angefangen haben zu schreiben, hatten wir eine Mindmap erstellt“, erzählte Müller. „Das schwierigste an dem Text war aber, eine Überschrift zu finden.“

Toll fanden sie auch den Workshop mit Fotograf Peter Sierigk, der ihnen die vielfältigen Einstellungen der Kameras gezeigt hat.

Zu den Höhepunkten des vergangenen Jahres gehörte für sie die Führung durch die Druckerei dieser Zeitung im Gewerbegebiet an der Autobahn 2. „Uns hat ein Mitarbeiter herumgeführt, der schon seit 50 Jahren Teil des Druckerei-Teams ist. Der Mann ist so etwas wie die gute Seele des Hauses.“ Im November dürfen sich die aktuellen Teilnehmer auf einen Rundgang dort freuen.

Cet war noch immer ganz beeindruckt von der Fahrt nach Berlin, in der die Teilnehmer die Gedenkstätte Hohenschönhausen und das Stasi-Museum besuchten. „Uns hat in Hohenschönhausen ein ehemaliger Häftling besucht, für den nach eigenen Worten das Stasi-Gefängnis der Vorhof zur Hölle war“, berichtete er.

Knapp 2000 Auszubildende haben seit dem Projektstart 2010 an „Zukunft Bilden“ teilgenommen. „Fast genauso viele haben sich als Helfer eingebracht“, sagte Rothärmel.

Die Initiative wird unter anderem gefördert von der Industrie- und Handelskammer, den Handwerkskammern, dem Arbeitgeberverband Braunschweig, der Allianz für die Region und der Bundesagentur für Arbeit.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (72)