Minister Wenzel soll die Wölfe stoppen

Hannover.  Die Rückkehr des Wolfes wird immer mehr zum Dauerstreit in der Landespolitik. CDU und FDP fordern mehr Schutz für Tierhalter und Bürger.

Ein Wolf im Wisentgehege in Springe.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein Wolf im Wisentgehege in Springe. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mutterkuhhalter Martin Holm, aus Worpswede nach Hannover gekommen, plagte eine düstere Vision. „Wenn der Wolf ein Niedersachse ist, haben wir bald keine Weidetiere mehr“, sagte Holm.

„Wenn erstmal ein Kind gebissen wird, halten Sie die Diskussion nicht mehr auf.“
Gero Hocker, FDP-Landtagsabgeordneter, zu Maßnahmen gegen Wölfe.

Neben Holm saß der FDP-Abgeordnete Gero Hocker. 83 Fragen rund um den Wolf hat die FDP in einer „Großen Anfrage“ an die Landesregierung auf den Weg gebracht. „Die Planlosigkeit des Landes beim Wolfsmanagement wird immer deutlicher“, klagte Hocker. Von einer Überforderung des Umweltministers Stefan Wenzel (Grüne) spricht der CDU-Kollege Ernst-Ingolf Angermann.

Die Wiederkehr des Wolfes, schon unter dem früheren Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) als Mischung aus Artenschutz und Abenteuer inszeniert, wird in Niedersachsen mit zunehmend gemischten Gefühlen gesehen. Im Umweltausschuss des Landtags stritten am Montag Oppositionspolitiker und ein Vertreter des Umweltministeriums über eine mögliche Wolfsattacke im Kreis Celle. Eine Hundehalterin hatte gemeldet, ihr Hund sei von einem Wolf gebissen worden. Eine Tierärztin versorgte Wunden am Hals des Hundes. Doch ob der Beißer ein Wolf war, ist aus Sicht des Landes zweifelhaft. Auch den Bericht eines Joggers, der Mitte Januar bei Lüneburg auf einen Wolf getroffen sein will, zweifelte das Ministerium an. Der Mann war mit Kopfhörern unterwegs und hatte seine Hand erschrocken weggezogen, als ein Wolf – oder doch ein Hund? - daran schnüffelte. In einem Ort bei Celle wurde Anfang Februar mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf an der Durchgangsstraße gesichtet. Als eine Spaziergängerin Lärm machte, verschwand das Tier. „Da wird noch mehr kommen“, sagte Holm. FDP-Mann Hocker glaubt, dass es längst weit mehr Wölfe gibt, von denen amtlich die Rede sei. Aktuell sollen es laut Behörden rund 70 sein.

Für Holm führen die nötigen Schutzmaßnahmen bei Tierhaltern, vor allem die hohen Zäune, zu immensen Kosten. Baue jeder Betroffene sie nach der Wolfsrichtlinie des Umweltministeriums, wären landesweit 156 Millionen Euro fällig, sagte Holm. Die Landeszuschüsse seien viel zu gering, das Antragsverfahren zäh. Rund 25 tote Rinder rechnet sein Tierhalterverband für das Jahr 2015 Wölfen zu, Schafe seien „im dreistelligen Bereich“ gerissen worden. Holm hält seine Tiere im Nebenerwerb aus Liebhaberei – keine Spur von Agrarfabrik, gegen die die Grünen so kämpfen. Genau diese kleinen Halter würden durch die Wolfspolitik des Landes in der Existenz bedroht, sagte Holm.

„Wenn erstmal ein Kind gebissen wird, halten Sie die Diskussion nicht mehr auf“, betonte FDP-Politiker Hocker – die Diskussion, wie man den Wolf wieder stoppen kann. Dann heiße es, „schießt das Mistvieh ab“, sagte Hocker. Die Goldenstedter Wölfin etwa, die für etliche Attacken auf Tiere verantworlich gemacht wird, will Wenzel erst einmal mit einem Sender versehen, um mehr über das Verhalten des Tieres zu erfahren. Sender anderer Wölfe jedoch sind seit längerem ausgefallen.

Den Wolf ins Jagdrecht zu nehmen, wenn auch mit ganzjähriger Schonzeit, wäre für die Opposition ein erster Schritt. Auffällige Tiere sollten „entnommen“ werden, heißt es weiter. Wenzel und seine Fachleute dagegen verweisen immer wieder auf rechtlich hohe Hürden für Abschüsse: Angriffe auf Menschen etwa oder wiederholte Attacken auf sachgerecht geschützte Weidetiere. Und eine Population von 70 ist unter Artenschutz-Aspekten nicht zu viel, sondern eher zu wenig.

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