Schlepper und Flut befreien Container aus Elbschlick

Hamburg  Mehr als fünf Tage steckte der 400 Meter lange Containerfrachter „Indian Ocean“ im Schlick der Elbe fest.

Mehrere Schlepper haben den Containerfrachter "CSCL Indian Ocean" der Reederei China Shipping Lines wieder in zurück in die Fahrrinne der Elbe vor Grünendeich bei Stade gezogen. Foto: dpa

Mehrere Schlepper haben den Containerfrachter "CSCL Indian Ocean" der Reederei China Shipping Lines wieder in zurück in die Fahrrinne der Elbe vor Grünendeich bei Stade gezogen. Foto: dpa

Die Einsatzleitung hat nicht viel Spielraum gehabt: Nur einen Versuch hatte das Havariekommando, um den in der Elbe bei Stade auf Grund gelaufenen Containerriesen „CSCL Indian Ocean“ in der Nacht zum Dienstag frei zu bekommen. Tagelang war die Bergung sorgfältig vorbereitet worden, am Ende klappte es schneller als gedacht: Von zwölf Schleppern mit zusammen 1085 Tonnen Zugkraft wurde der Frachter zurück in die Fahrrinne gebracht. „Es wurde auf den Punkt geplant“, sagte anschließend der Chef des Havariekommandos in Cuxhaven, Hans-Werner Monsees, der die Aktion leitete.

Die „CSCL Indian Ocean“, die mit einer Länge von 400 Metern und knapp 59 Metern Breite zu den größten Containerschiffen der Welt gehört, war am Mittwoch vergangener Woche wegen eines Defekts an der Steueranlage neben der Fahrrinne auf Grund gelaufen.

In den letzten Tagen wurden 6500 Tonnen Treibstoff und Ballastwasser abgepumpt, um das Schiff leichter zu machen. Außerdem wurden 65 000 Kubikmeter Sand und Schlick um das Schiff herum ausgebaggert. Eine Springflut und kräftige Winde über der Nordsee sorgten in der Nacht für ein um gut 1,20 Meter höheres Hochwasser als normal. Der Abschnitt der Elbe wurde für die Dauer des Manövers gesperrt. „Einen solchen Einsatz kann man nicht üben“, sagte Monsees, „aber man kann ihn vorbereiten.“

Der Schleppversuch hatte gegen 2.00 Uhr begonnen. Nach 20 Minuten hatte das Schiff wieder Wasser unter dem Kiel. Ursprünglich war mit einem längeren Einsatz gerechnet worden. Gegen 5.30 Uhr kam die „Indian Ocean“ dann in Hamburg an.

Die Kosten für die Bergung gehen in den zweistelligen Millionenbereich. Sie werden von den Versicherungen der Reederei übernommen, sagte Monsees. An der Aktion beteiligt waren rund zwei Dutzend Behörden, Institutionen und Unternehmen.

Zwei früherer Bergungsversuche waren gescheitert. Die Situation sei zu keiner Zeit kritisch gewesen, betonte Monsees. Experten hätten permanent geprüft, ob das Schiff den Druck aushalte. „Aber das heißt nicht, dass man alle Zeit der Welt hat. Das Schiff musste weg“, betonte Monsees.

Wäre der Bergungsversuch misslungen, hätten in den nächsten Tagen die 6600 Container von dem Schiff entladen werden müssen, um das Gewicht weiter zu reduzieren. Dazu wäre nur ein mit Riesen-Kränen ausgestattetes Offshore-Errichterschiff in der Lage gewesen, sagte Monsees. Es hätte aus Rotterdam geholt werden müssen.

Der Havarist soll nun im Hamburger Hafen auf mögliche Risse im Unterboden untersucht werden. Erst wenn feststeht, dass das Schiff seetüchtig sei, werde es die Genehmigung zum Auslaufen erhalten, so Monsees.

dpa

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