„Die SPD ist der Anker in unserer Region“

Braunschweig  Sozialdemokraten feiern 150-jähriges Bestehen: Balsam auf die Seelen von Gabriel & Co.

Jede Zeit braucht ihre Antworten. Hubertus Heil, Chef der SPD in unserer Region, stellte aber fest, dass die soziale Gerechtigkeit, der Markenkern seiner Partei, mehr denn je aktuell sei. „Nicht Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht sollen entscheiden. Dafür streiten wir.“ Das sagte Heil gestern im Gastwerk in Braunschweig. Etwa 500 SPD-Mitglieder und Gäste feierten
150 Jahre Sozialdemokratie zwischen Harz und Heide.

SPD-Chef Sigmar Gabriel, der den SPD-Bezirk einst selbst anführte, machte schnell klar, wie selbstbewusst die Sozialdemokraten in unserer Region sind. „Die Braunschweiger SPD ist eine Hochburg der deutschen Sozialdemokratie“, sagte er. „Wahlergebnisse unter 40 Prozent sind uns peinlich!“ Im Bund hat Gabriel mit anderen Machtverhältnissen zu kämpfen.

Die SPD hat – neben Vizekanzler Gabriel – einige Persönlichkeiten hervorgebracht. Gabriel, Ex-Ministerpräsident Gerhard Glogowski und die Festrednerin, Historikerin Helga Grebing, würdigten diese. Kaum jemand kennt die deutsche Arbeiterbewegung so gut wie die Professorin. „Die Anfänge waren mühselig“, sagte Grebing mit Blick auf die Sozialdemokraten in der Region.

Als Wilhelm Bracke am 6. September 1865 einlud, sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), Ortsgruppe Braunschweig, anzuschließen, folgten dem Aufruf nur 40 Personen. Der ADAV ist ein Vorläufer der SPD. So schlecht war das aber nicht. Laut Grebing war es in Berlin, immerhin schon eine Großstadt, ein Jahr zuvor nicht besser gelaufen. Dort waren es nur 35 Männer.

Die Zeiten waren für Sozialdemokraten eben gefährlich, wie Glogowski erklärte. Bracke, der dafür sorgte, dass die Parteizentrale von Sozialdemokraten zwischen 1869 und 1871 nach Braunschweig kam, wurde verhaftet, weil sich für ein freies und allgemeines Wahlrecht einsetzte.

Auch später waren SPD-Mitglieder wie Heinrich Jasper, Ministerpräsident im Freistaat Braunschweig, Repressalien ausgesetzt. „Sozialdemokraten zahlten gerade hier einen hohen Blutzoll, weil die Nazis besonders grausam waren“, sagte Glogowski, der von vielen gestern nur mit „Glogo“ angeredet wurde. Hubertus Heil war „Hubi“. So ist das unter Genossen.

„Das Schloss ist heute nur noch eine Attrappe, wir sind Realität“, sagte Glogowski mit Blick auf Braunschweiger Fürsten und das Volksfreund-Haus im Braunschweiger Magniviertel. Das Volksfreund-Haus dient der SPD, es wurde zwischenzeitlich von den Nazis enteignet.

Gabriel, Heil, Glogowski und auch Ministerpräsident Stephan Weil machten klar, wer ihrer Ansicht nach seit vielen, vielen Jahrzehnten die treibende politische Kraft zwischen Harz und Heide ist: die SPD.

„Die SPD ist nicht beliebig“, sagte Glogowski. Und der Goslarer Gabriel: „Sie ist der Anker in unserer Region.“ Dann erklärte der Hannoveraner Weil: „Ihr seid etwas ganz Besonderes. Ihr habt maßgeblich dazu beigetragen, dass diese Region das industrielle Herz Niedersachsens ist.“

Der Ministerpräsident führte den Spannungsbogen noch etwas weiter, sagte mit einem Lächeln: „Wenn ich auf der A 2 fahre, verneige ich mich ab Hämeler Wald Richtung Osten.“

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