Minister gegen Massenmast

Hannover  Landwirtschaftsminister Christian Meyer will mit strengeren Auflagen Großställe in Niedersachsen verhindern.

Hähnchenmast für Wiesenhof auf dem Hof von Rainer Wendt in Zahrenholz bei Groß Oesingen im Landkreis Gifhorn.

Hähnchenmast für Wiesenhof auf dem Hof von Rainer Wendt in Zahrenholz bei Groß Oesingen im Landkreis Gifhorn.

Für Betreiber von Großmastställen und -schlachthöfen brechen härtere Zeiten an. „Eine Politik, die auf den weiteren Zubau großer Tierhaltungsanlagen setzt, lehnen wir ab“, sagt Niedersachsens neuer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne): „Wir wollen gemäß dem Wunsch vieler Kommunen landesweit einheitliche Genehmigungs-Standards auf hohem Niveau.“

Das gelte etwa für den Einbau von Filtern, für Keimschutz und Brandschutzauflagen. Meyer betonte aber, dass bereits genehmigte Anlagen Bestandsschutz hätten. „Bäuerliche Betriebe mit artgerechter Tierhaltung haben keine neuen Auflagen zu befüchten. Diese wollen wir fördern“, betonte er. Genehmigungsbehörden sind die Landkreise, das Land gibt aber die Rechtsgrundlagen vor.

„Es könnte sein, dass einige Großställe dann nicht gebaut werden“, sagte der neue Minister. Als Großanlagen sollen Ställe mit einem Durchschnittsbestand von 30 000 Masthähnchen, 1500 Puten oder 600 Kühen gelten.

Rainer Wendt, Präsident des Bundesverbandes bäuerlicher Hähnchenerzeuger, betreibt somit auf seinem Hof in Groß Oesingen im Kreis Gifhorn eine „Groß anlage“. Er hält 120 000 Hähnchen. Eine staatliche Verschärfung der Auflagen lehnt Wendt ab: „Christian Meyer wird in Kürze erkennen, dass wir uns in Europa bewegen. Die Vorgaben der europäischen Hähnchenhaltungsverordnung sind ausschlaggebend.“ Deutschland habe schon jetzt strengere Vorschriften, müsse sich aber am Markt behaupten. Der Mäster rechnet damit, dass auch der neu aufzustellende niedersächsische Tierschutzplan für seine Branche Folgen hat. Die Geflügelbranche sperre sich nicht gegen Veränderungen, so Wendt. Doch wenn etwa die Besatzdichte in den Ställen reduziert werde, dann müsse der Verbraucher auch bereit sein, für Fleisch mehr zu bezahlen.

Der Landwirt Erich Hansen aus Wendesse (Kreis Peine), der eine weitere Hähnchenmastanlage für 40 000 Tiere plant, kritisierte die angekündigten Erlasse. „Treffen wird die Pflicht zum Einbau teurer Filteranlagen vor allem Familienbetriebe wie unseren. Leisten können sich das eher Investoren mit großen Ställen. Der Erlass wird die Ausbreitung der Großanlagen mit mehr als fünf Ställen eher fördern.“

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