"Vieles dürfte deutlich komplizierter werden"
2010-09-10T22:00:00+0200
Die neue Asse-Studie liefert weitere Aufschlüsse für das Bergen des Mülls
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht im "Asse-Inventarbericht" eigene Analysen bestätigt. Die Vorkehrungen zum Untersuchen von Kammern berücksichtigten die im Bericht dargelegten Erhöhungen der Radioaktivität des Atommülls.
"Nun ist offiziell, dass in der Asse mehr als 16 000 Fässer mit mittelaktivem Atommüll lagern und nicht nur 1300", erklärte der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Stefan Wenzel. Die SPD-Abgeordnete Petra Emmerich-Kopatsch sagte, das Landesumweltministerium habe entsprechende Hinweise stets zurückgewiesen.
Nach Wenzels Einschätzung wird das geplante Herausholen der Fässer durch die neuen Erkenntnisse einerseits leichter. "Je genauer das Inventar bekannt ist, desto besser lässt sich die Rückholung planen und durchführen", so Wenzel.
Andererseits steige durch stärkere Strahlung das Risiko bei der Bergung der Abfälle. "Wenn ich bei manchen Stoffen 10 Minuten danebenstehe, habe ich eine tödliche Dosis", so Wenzel. Klar sei auch, dass höhere Kosten für die Rückholung zu erwarten seien.
Die Abfälle waren seinerzeit von den Anlieferern so stark abgeschirmt worden, dass sie mit Wissen der Behörden als schwachaktiv angenommen worden waren. Der Bericht stellt aber auch das Anliefern von Fässern mit zu hoher Strahlung sowie eine andere Verteilung von Plutonium auf einzelne Fässer fest. Langfristig gelten die schwachaktiven Abfälle wegen langer Zerfallszeiten aber als das größere Problem.
"Gerade was den Arbeitsschutz bei der Rückholung angeht, dürfte nun vieles deutlich komplizierter werden", erklärte der FDP-Obmann im Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags, der Wolfenbütteler Björn Försterling. Trotz des weiteren Inventarberichts bleibe ein Restrisiko. Die Strahlung sei immer nur an der Fassaußenseite gemessen worden, die Gefahr gehe aber vom Inhalt der Fässer aus, betonte Försterling.
"Der Bericht zeigt einmal mehr, wie unverantwortlich in der Asse mit dem Atommüll umgegangen wurde", so der SPD-Vorsitzende und frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Umso schlimmer sei es, dass die Atomkonzerne nicht zur Kasse gebeten werden.
Im Bundesumweltministerium gibt es unterdessen Kritik am Vorgehen des BfS zur Vorbereitung der sogenannten Rückholung. Weil bei der "Kalterprobung" nicht die Technik und Verfahren benutzt würden, die später zur Analyse der Kammern verwendet würden, solle statt Kalterprobung besser von "betrieblicher Erprobungsphase" gesprochen werden, hieß es. Das Herausholen des Atommülls aus der Asse gilt bislang als einzige Möglichkeit einer sicheren Stilllegung.


