Rot-Grün will Sitzenbleiben in Niedersachsen abschaffen
Braunschweig Die künftige Landesregierung ist sich weitgehend einig. Auch die Betroffenen - Schüler und Lehrer - begrüßen den Plan.
Mit den Halbjahreszeugnissen herrscht bei Niedersachsens Schülern wieder Angst vor blauen Briefen und Sitzenbleiben. Doch diese Klassenwiederholungen werden wohl bald der Vergangenheit angehören. Das hatten die Wahlsieger SPD und Grüne bereits in ihren Programmen angedeutet. Nun soll tatsächlich die Umsetzung erfolgen.
„Wir wollen niemanden überrumpeln“, sagte SPD-Schulexpertin Frauke Heiligenstadt dazu. Heiligenstadt hat gute Chancen, kommende Kultusministerin in Niedersachsen zu werden. Sitzenbleiben ist laut Rot-Grün überflüssig und verzichtbar. Lieber solle in die individuelle Förderung von Schülern investiert werden, die oftmals nur in einzelnen Fächern Probleme hätten.
Ein SPD-Sprecher bestätigte unserer Zeitung den Plan, das Sitzenbleiben abzuschaffen. Mit Verweis auf die am Freitag beginnenden Koalitionsverhandlungen möchte aber noch niemand sagen, wann es mit den Klassenwiederholungen in Niedersachsen vorbei sein soll. Auch die Frage, ob neue Lehrer für die individuelle Förderung von lernschwachen Schülern eingestellt werden sollen – und was dies kosten würde – ist offen.
Die meisten Lehrer und Schüler scheinen den Plan der künftigen Landesregierung zu begrüßen. Keven Knipping, Vorsitzender des Landesschülerrats Niedersachsen, sagte: „Bisher werden Schüler aus der Klassengemeinschaft herausgerissen. Auf die betreffenden Schüler muss viel stärker eingegangen werden, sie müssen stärker gefördert werden. Das kommt bisher zu kurz.“ Kipping fordert aber wie Eberhard Brandt, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, in mehr Lehrer und zusätzliche Förderstunden zu investieren. „Die Umsetzung muss Schritt für Schritt erfolgen. Erst muss der Förderunterricht stehen, dann kann das Sitzenbleiben abgeschafft werden“, so Brandt.
Im noch CDU-geführten Kultusministerium hält man von den Plänen gar nichts. „Es kann Schüler entlasten, durch das Wiederholen eines Schuljahrgangs andauernde Überforderungen zu beenden“, hieß es gestern.
An der Integrierten Gesamtschule (IGS) Franzsches Feld in Braunschweig gibt es, wie an jeder anderen IGS, schon jetzt kein Sitzenbleiben in den Klassen 5 bis 10. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht“, sagt Schulleiter Andreas Meisner. „Schüler haben immer wieder mal Schwächephasen. Sie sind aber in der Lage, den Stoff wieder aufzuholen.“
Lesen Sie zum Thema auch das Interview mit der Bildungsexpertin Antje Funcke von der Bertelsmann-Stiftung.
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„Sitzenbleiben kostet viele Millionen“
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