Mathematik-Vorlesungen bis in die Nacht
2011-02-22T10:05:00+0100
Niedersachsen will mehr als 7500 zusätzliche Studienplätze schaffen
"Ausgesetzte" Wehrpflicht und doppelter Abitur-Jahrgang könnten es in diesem Jahr an den Hochschulen eng werden lassen. Das Land verspricht: Wir haben für ausreichend Studienplätze gesorgt.
Auf den doppelten Abitur-Jahrgang, so Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) gestern, habe sich die Politik lange vorbereiten können. Das Aussetzen von Wehr- und Zivildienst habe aber eine neue Situation geschaffen, räumte Wanka ein. Mit rund 1850 zusätzlichen Studienanfängern durch die entfallene Dienstpflicht rechnet das Land. 5500 Plätze hatte Niedersachsen bereits wegen des Doppel-Abiturs auf den Weg gebracht.
Folgt man der Ministerin und dem Vorsitzenden der Landeshochschulkonferenz, dem Braunschweiger TU-Präsidenten Jürgen Hesselbach, sind durch Vereinbarungen mit den Hochschulen die Weichen nun endgültig richtig gestellt.
Universitäten, Fachhochschulen und Kunsthochschulen meldeten 7552 zusätzliche Plätze für Studienanfänger. Besonders tat sich dabei die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel mit 975 Plätzen hervor. An der Technischen Universität Braunschweig werden 645 zusätzliche Plätze angeboten. "Wir schaffen zum Beispiel zusätzliche Plätze in der Psychologie", meinte Hesselbach. Auch Maschinenbau sei "überbucht". Ministerin Wanka verwies auf neue Studiengänge wie etwa See- und Reedereirecht in Emden, Handel und Logistik an der "Ostfalia" Braunschweig/Wolfenbüttel oder Meerestechnik an der FH Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth. Dass einfach unbesetzte Studienplätze eingerechnet werden, die schon in der Vergangenheit niemand wollte, wird laut Wanka nicht passieren. Lediglich in zulassungsbeschränkten oder neugeschaffenen Studiengängen würden die Plätze angeboten, versicherte die Ministerin. Die genaue Verteilung auf die Fächer wird derzeit noch erarbeitet.
50 Prozent sollen auf Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften entfallen. Mit 35 900 Studienanfängern zum Wintersemester 2011/2012 rechnet das Land. Schon bisher sei es nicht so, dass jeder seinen Studienplatz an der Wunsch-Hochschule bekomme, meinte Hesselbach. Herausforderungen erwartet der Hochschulpräsident aber im Studienalltag. "Sechs Tage Vorlesungen, bis 22 Uhr Mathematik." Hesselbach sprach von teilweise "anormalen" Verhältnissen. "So richtig wissen wir nicht, was passiert", bekannte er weiter.
"Die Studienplatzkapazität muss dort ausgebaut werden, wo die Nachfrage am größten ist, also vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften", forderte die SPD gestern. Dies gelte aber auch für die harten NC-Fächer wie Medizin. "Die Weigerung Niedersachsens, zusätzliche Medizin-Studienplätze einzurichten, ist nicht zu akzeptieren", so SPD-Frau Gaby Andretta.


