Warum wir wählen gehen
Hannover Landtagspräsident Hermann Dinkla bedauert sinkendes Interesse. Wir haben Menschen aus der Region gefragt, wieso sie wählen gehen.
Gute Briefwahlbeteiligung und vermutlich erträgliches Wetter: Diese Umstände lassen Landeswahlleiterin Ulrike Sachs für die Beteiligung an der Wahl am Sonntag optimistisch sein. „Wir hoffen, dass es mehr wird als 57,1 Prozent“, sagte Sachs gestern, als sie im Landtag unterwegs war.
Mit der Wahlbeteiligung ist es seit langem kontinuierlich bergab gegangen. Die 57,1 Prozent der Wahl 2008, als Wolfgang Jüttner (SPD) gegen Christian Wulff (CDU) antrat, sind bisher der Tiefpunkt. 1990 waren es immerhin noch 74,6 Prozent gewesen, von 1998 auf 2003 ging die Beteiligung dann schon deutlich zurück. Während 2008 allgemein eine Bestätigung der CDU/FDP-Koalition unter Ministerpräsident Christian Wulff erwartet wurde, sagen alle Umfragen diesmal ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Lager Schwarz-Gelb und Rot-Grün voraus. Auch ist keineswegs sicher, welche der vergleichsweise kleinen Parteien es ins Parlament schafft. Zwar gab es in Rekordjahren wie 1974 eine höhere politische Grundmobilisierung. 1974 trieb zudem die Gebietsreform Niedersachsens Wähler an die Wahlurnen.
Doch das ist lange her. „Sorgen macht mir die sinkende Wahlbeteiligung“, meinte Landtagspräsident Hermann Dinkla denn auch in seinem Wahlaufruf. „Was bei uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wird den Menschen in vielen Staaten verwehrt.“ Bei Bundestagswahlen immerhin war die Beteiligung in Niedersachsen dagegen zuletzt nicht nur deutlich höher als bei Landtagswahlen. Sie lag auch über dem Bundesschnitt. In Niedersachsen wählten laut Statistik 73,3 Prozent der Stimmberechtigten bei der Bundestagswahl 2009, 70,8 waren es bundesweit.

