Spaß-Wahlkampf im Zug mit Stephan Weil
Peine McAllisters Herausforderer reist mit einer Marching Band im Zug durch die Region. In der Peiner Innenstadt verteilte er rote Rosen an die Bürger.
Ein bisschen erinnert die Wahlkampftour des SPD-Spitzenkandidaten Stephan Weil an den Spaß-Wahlkampf der FDP vor der Bundestagswahl 2002. Weil reist zwar im Zug und nicht im gelb-blauem „Guidomobil“. Weil hat auch keine 18 unter der Schuhsohle kleben. 18 Prozent wären für die SPD ein Desaster. Aber der SPD-Mann tingelt fröhlich mit einer dreiköpfigen Marching Band durch unsere Region, verteilt Rosen. Weil gilt als sachlich, als spröde. Vermutlich will er zeigen: Ich kann auch gute Laune.
Viele Journalisten begleiten den SPD-Mann mit dem obligatorischen roten Schal. Im Zug von Braunschweig nach Peine kommen die Bürger gar nicht an Weil heran. Der bleibt höflich: „Das macht nichts, eben in der Braunschweiger Innenstadt bin ich mit den Leuten ins Gespräch gekommen, gleich in Peine wird es wieder so sein.“
Weil wirkt trotz des kräftezehrenden Wahlkampfes entspannt, fast siegessicher. In den Umfragen hat Rot-Grün die Mehrheit. Weil: „Ich weiß, dass das, was ich mache, das Richtige ist. Ich bin optimistisch. Ich bin von Natur aus ein gelassener Mensch.“ Er plaudert, erzählt, dass er den „Tatort“ am Sonntag klasse fand. Das kann er, den Bürgernahen geben. Einer Redakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt er: „Das ist die norddeutsche Tiefebene, durch die wir fahren.“ Sie nickt, ihr Gesichtsausdruck aber verrät: Was sonst? Nicht jeder Weil-Spruch sitzt.
Am Bahnhof Peine warten 20 SPD-Mitglieder. Sie halten Rosen und Flyer in der Hand. Die Marching Band schmettert Dixie-Musik.
Kurt Lemke aus Braunschweig steht am Bahnsteig und schaut sich das Schauspiel an. Er hat den SPD-Spitzenkandidaten nicht sofort erkannt. „Weil hat nicht die große Präsenz, wirkt wie ein Normalbürger, nicht wie ein Vollblutpolitiker“, sagt er. Und schiebt schnell nach: „Das muss aber nicht schlecht sein.“
Weil macht sich mit seinen Mitarbeitern auf den Weg Richtung Innenstadt, im Schlepptau die Mitglieder der Peiner SPD, die Journalisten und die Marching Band. Zielsicher steuert er die Peiner City-Galerie an, verteilt in einem Handy-Shop Rosen an die Verkäufer und sagt: „Denken Sie daran, am 20. Januar sind Landtagswahlen.“ Dieser Satz wird noch häufig zu hören sein.
In einer Bäckerei spricht er mit einem älteren Herrn. Der beschwert sich darüber, dass der Peiner Bürgermeister Michael Kessler nicht wie sein Vorgänger eine Bürgersprechstunde abhält. Weil verspricht, seinem Parteifreund ins Gewissen zu reden. Auf die Frage, ob er Weil das abnehme, erklärt der ältere Herr: „Nein, ich werde die SPD aber trotzdem wählen.“ Weil läuft durch die Peiner Innenstadt. Er versucht, gute Laune zu versprühen. Viele nehmen ihm das ab, bleiben stehen. Andere können mit dem Mann in schwarzer Lederjacke, hellblauem Hemd, gestreifter Krawatte und rotem Schal nichts anfangen. Eine Frau mit Kopftuch steht mit ihrem Sohn am Straßenrand und fragt ihren Mann: „Wer ist das denn?“
Davon bekommt Weil nichts mit, er sucht den Kontakt zu den Bürgern, auch wenn die ab und zu kritisch reagieren. Ein Mann deutet in einer Bäckerei auf den Fernseher, der oben an der Wand hängt. Ein Beitrag über den Pannen-Flughafen in Berlin läuft. „Das ist nicht so gut, was die SPD da macht“, sagt der Mann und grinst. „Mmmh“, brummt Weil, „dazu kann ich nichts sagen. Wir in Niedersachsen bauen ja aber auch keinen Flughafen.“
Weil sucht weitere Geschäfte auf, spricht mit den Inhabern, schüttelt Hände von Passanten auf der Straße. Nach einer Stunde gehen die Rosen zur Neige. Er macht kehrt, läuft zurück zum Bahnhof, die Meute hinterher. „Und, was machen wir jetzt?“, fragt er einen Mitarbeiter. „Wir fahren nach Lehrte, dort geht alles von vorne los.“ Am Abend fährt Weil wieder zurück nach Braunschweig. Was auf ihn wartet? Ein weiterer Wahlkampftermin.

