„Mac“ vor der Meisterprüfung
Braunschweig Kopf an Kopf kämpfen David McAllister (CDU) und Stephan Weil (SPD) darum, wer Niedersachsens Landesregierung führt. Wir porträtieren David McAllister.
McAllisters Ritterschlag fand in einem tristen Betonklotz statt, fern der Heimat. Die Landes-CDU hatte in einem Hotel in Hannover groß auffahren lassen. David McAllister, der Jungspund, der Tausendsassa aus der niedersächsischen Provinz, durfte an der Seite von Christian Wulff Platz nehmen. Wulff stellte den künftigen CDU-Generalsekretär vor. McAllister war 31. „Ich war ganz schön nervös“, sagte er, als alles vorbei war. (Hier geht es zum Porträt von SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil)
Wulff ist gerade nach Hannover gezogen und doch weit weg von der Landes-CDU. Und doch muss McAllister am Wahltag das Erbe Wulffs verteidigen. „Fühlen Sie doch meinen Puls“, hat McAllister bei einem CDU-Landesparteitag den Delegierten zugerufen. Das klang cool. Doch die Fallhöhe ist beträchtlich.
Für McAllister ist es bislang immer nach oben gegangen. Schon als Schüler wollte der Sohn eines Schotten und einer Deutschen bei der CDU mitmachen. Der Vater brachte als Lektüre den „Daily Telegraph“ mit nach Hause. „Ein kleines Stück Großbritannien mitten in Deutschland“, hat McAllister sein Aufwachsen in einer Britensiedlung in Berlin genannt. In der Grundschule rezitierte der junge McAllister allerdings den Deutschen Franz-Josef Strauß. Als der Vater pensioniert wurde, zog die Familie McAllister aus Berlin ins beschauliche Bad Bederkesa bei Cuxhaven. In der Schule glänzte McAllister in Gemeinschaftskunde.
Bereits 1998 wurde der junge McAllister Landtagsabgeordneter
Mit schneller Auffassungsgabe, ein guter Redner und sympathisch im Umgang, kam „David“ schnell nach oben in der CDU. 1998 wurde der Jurist Landtagsabgeordneter, vor der wichtigen Landtagswahl 2003 dann Wulffs CDU-Generalsekretär. CDU und FDP gewannen die Wahl, McAllister war endgültig der Liebling der Partei. „Bierzeltkasper“ hat ihn die SPD genannt, etwas Neid klang an.
Als CDU-Fraktionschef 91 Abgeordnete der großen Regierungsfraktion für Wulff bei der Stange zu halten, war das nächste Kabinettstückchen. „91 gewählte Abgeordnete sind 91 kleine Könige“, hat McAllister mal gesagt, der Kaiser sei er. Ihm gefiel seine Rolle als politischer Generalist und Abgeordneten-Kummerkasten. „Ich bin der Prince Charles von Niedersachsen“, spottete McAllister, wenn er nach Ambitionen gefragt wurde. Da war er klüger als andere. „Der Mappus macht die Opposition gegen den Ministerpräsidenten Oettinger persönlich“, lästerte McAllister damals gern über den ehrgeizigen CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag.
Wulff dagegen überließ McAllister später den CDU-Landesvorsitz und baute ihn in aller Harmonie zum Nachfolger auf, für alle Kanzler-Fälle. Im Sommer 2010 war es soweit. Wulff war ins Bundespräsidialamt entschwunden. Und aus „David“ war längst „Mac“ geworden.
Wie der typische Polit-Karrierist wirkt McAllister auch heute nicht. Bad Bederkesa, wo er mit seiner Frau und den Töchtern immer noch wohnt, dient längst als Symbol für Bodenhaftung. „Berlin ist da weit weg“, sagt McAllister gern. Ratsherr und Bürgermeister ist er in Bad Bederkesa gewesen, Schützenkönig natürlich auch. Und wenn McAllister viele Jahre später als Ministerpräsident vor 4000 Zuhörern in einem Bierzelt in Bayern auftritt, wenn er dort ruft, „auch mir stinken die Linken“, dann ist das auch ein Tribut an eine provinzielle Basis, der alles große Getue verdächtig ist. Duhner Wattrennen, Elmloher Reitertage, 175 Jahre Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln: McAllister liebt solche Termine. Und noch wirkt das absolut glaubwürdig. In Berlin, zum CDU-Präsidium, fährt er schon mal Bus.
Er sieht Politik als Spiel und Wettkampf
Als „Mann mit der Maske“ ist McAllister kürzlich beschrieben worden: wenig eigene Positionen, wenig Konfliktfreude Richtung Berlin, hölzern vor der Kamera. „Ich suche immer pragmatische Lösungen“, sagt Mc Allister über sich. Spektakulär ist das nicht. Manchen Themen gehört sein Herz schon lange, meist den praktischen. Über Bahnverbindungen in Niedersachsen etwa redet McAllister gerne. Schon als Fraktionschef verteilte er Konzepte für die Schiene an Journalisten. Dass mit einem Endlager Gorleben in Niedersachsen kein Staat zu machen ist, begriff er früher als andere in der CDU. Aber er wartete, bis die Zeit reif war. Nun will auch Berlin eine „neue Endlagersuche“.
Einerseits nimmt McAllister Politik sehr ernst, auch das, was er einst über Demokratie im Gemeinschaftskundeunterricht lernte. Daher kommt eine ganz altmodische Fairness. Andererseits sieht er Politik auch als Spiel und Wettkampf. Über seine Redner-Duelle im Landtag mit Sigmar Gabriel hat McAllister gesagt: „Mit ihm hat die politische Auseinandersetzung immer Spaß gemacht“. Im Dienst immer den Beflissenen zu geben, fällt McAllister schwer. Lieber schreit er: „Richtet die Kanonen nach Berlin“, wenn auf seiner Ministerpräsidenten-Sommerreise Salutschüsse angesagt sind, nicht zu seinen Ehren gottlob.
„Long live the Gillamoos, long live the CSU“, hat McAllister in Bayern in dem Zelt gerufen. Purer Nonsens, aber die Leute johlten. In Niedersachsen brüllte McAllister vor Jahren: „Die Kommunisten sollen sich vom Acker machen“, die Partei nahm es bierernst. Auch gut.
Im Wahlkampf stellte die CDU die schottische Abstammung McAllisters heraus. Weil es an Profil fehlt? „I’m a mac“ stand auf Schildern, die bei Veranstaltungen hochgehalten wurden. Mit britischem Humor tun sich die Niedersachsen etwas schwer. Aber sie mögen ihren „Mac“, und so klatschten die Leute.
Zur Person: David McAllister
1971: Geboren in Berlin.
1988: Eintritt in die CDU.
1989: Abitur in Bad Bederkesa.
1989-1991: Zeitsoldat beim Panzerbataillon 74 in Cuxhaven-Altenwalde.
1991 - 1996: Jura-Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Hannover.
1991 bis 1994: Kreisvorsitzender der Jungen Union Cuxhaven.
1998: Zweite Juristische Staatsprüfung, seither Rechtsanwalt.
2002-2003: Generalsekretär der CDU in Niedersachsen.
2003: Heirat mit Dunja Kolleck; zwei Kinder.
2003-2010: Vorsitzender der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag.
Seit 1. Juli 2010: Ministerpräsident
