Kommunikationspanne bringt SPD Ärger um frühe Wahlplakate
Hannover Eigentlich wollten CDU und SPD auf Wahlplakate im Advent verzichten. Nun hängen doch schon SPD-Plakate in den Straßen - und sorgen für Ärger.
Mit ihrem Frühstart in den Wahlkampf hat die Niedersachsen-SPD sich Ärger mit den anderen Parteien eingehandelt. Spitzenkandidat Weil hat die übereifrigen Ortsvereine inzwischen zurückgepfiffen.
Gegen den Willen ihres Spitzenkandidaten Stephan Weil haben eifrige
SPD-Wahlkämpfer in Hannover erste Wahlplakate aufgehängt. Er sei „völlig
verdattert“ gewesen, als er sich auf einmal selbst auf Plakaten gesehen habe,
sagte Weil am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Andere Parteien reagierten
verärgert und warfen der SPD vor, sich nicht an Absprachen zu halten: Es sei
vereinbart worden, erst nach Weihnachten zu plakatieren. Weil pfiff seine
Ortsverbände daraufhin zurück und bat sie, die Plakate wieder abzuhängen. „Ich
bin nicht ganz sicher, ob wir ausreichend kommuniziert haben, wie die Linie
ist“, erklärte der SPD-Chef.
Beim SPD-Ortsverein Hannover Oststadt-Zoo
wusste man allerdings nach den Worten des Vorsitzenden Dieter Böversen nichts
von Absprachen. „Ich habe lange nachgefragt“, sagte er. „Ich finde es selbst
nicht schön, in der Weihnachtszeit zu plakatieren.“ Aus der SPD-Zentrale sei
schriftlich mitgeteilt worden, dass die Ortsvereine selbst entscheiden, wann sie
die Plakate aufhängen. Direkt vor der CDU-Zentrale im Zooviertel lächelte noch
am Mittwochabend ein Bild der SPD-Kandidatin Doris Schröder-Köpf die Wähler an.
„Ob die Plakate hängen bleiben oder nicht, das entscheiden die Kandidaten“,
sagte Böversen.
Aus Sicht der CDU wollte die SPD-Landesgeschäftsführung
den Frühstart allerdings. „Wenn Weil sagt, er wolle keinen Straßenwahlkampf vor
Weihnachten, seine Landesgeschäftsstelle genau das aber organisiert, hat der
SPD-Landesvorsitzende seinen Laden nicht im Griff oder hat die Öffentlichkeit
falsch über seine Wahlkampfpläne informiert“, sagte CDU-Generalsekretär Ulf
Thiele.
Nachziehen und selbst Wahlwerbung aufhängen will die CDU nicht.
„Wir wissen, dass die Menschen in der Vorweihnachtszeit nicht mit dem Wahlkampf
belästigt werden wollen“, sagte ein Sprecher. Ähnlich hatte Stephan Weil sich
bereits vergangene Woche geäußert und wiederholte am Mittwoch: „Ich glaube in
der Tat nicht, dass wir weder den Bürgern noch uns eine Freude machen, wenn wir
in der Vorweihnachtszeit schon alle die Plakate rausstellen.“ Auch
Kirchenvertreter mahnten, die besinnliche Advents- und Weihnachtszeit nicht zu
politisieren.
Die Linke setzt dagegen ganz offiziell auf den
Advents-Wahlkampf. „Die Botschaft der Weihnachtsgeschichte ist die von Hoffnung
und Gerechtigkeit“, erklärte Landeswahlkampfleiter Jörn Jan Leidecker. „Wann,
wenn nicht in der Adventszeit, können politische Parteien daran
erinnern?“ dpa

