„Die FDP nehme ich noch gar nicht so richtig wahr“
Braunschweig Die Wahlkampagnen starten im neuen Jahr in die heiße Phase. Doch was macht einen guten Wahlkampf eigentlich aus?
Darüber sprach unser Redakteur Andre Dolle mit Parteienforscher Dr. Stephan Klecha vom Göttinger Institut für Demokratieforschung.
Parteien stecken viel Geld und Mühe in die Kampagnen. Zahlt sich das aus?
Ja, die Parteien müssen ihre eigene Klientel mobilisieren, um sie an die Wahlurne zu bringen. Zuletzt tat sich die SPD dabei schwerer als die Union. Parteien haben zwei Möglichkeiten, Aufmerksamkeit zu erzielen. Einerseits durch ehrenamtliches Engagement der Parteimitglieder, zum Beispiel im Straßenwahlkampf oder beim Kleben von Plakaten. Andererseits durch professionelle Werbeagenturen oder durch Veranstaltungsmanager. Erledigen Parteien auch diese Arbeiten selber, müssen sie über Personal verfügen, das einen professionellen Hintergrund und eine gewisse Routine hat.
Wie viele Prozentpunkte lassen sich denn durch einen gelungenen Wahlkampf noch herausholen?
Ein Wahlkampf hat eine gewisse Bedeutung, das steht fest. Empirisch lässt sich das allerdings nicht genau belegen. Ein Wahlkampf hat aber auf jeden Fall eine Auswirkung auf die Wahlbeteiligung. Ein Beispiel der Kommunalwahl in Niedersachsen 2011 belegt dies: In Soltau hatten sich die Parteien damals verpflichtet, auf Wahlwerbung mit Plakaten gänzlich zu verzichten. Das Ergebnis war ein Rückgang der Wahlbeteiligung um immerhin zwei Prozent.
Die Summen, die die etablierten Parteien jeweils in den Wahlkampf stecken, sind um ein Vielfaches höher als die Summe der Piraten. Lässt sich dieser Wettbewerbsnachteil kompensieren?
Sie können sich einen Wahlsieg nicht erkaufen. Bei der Landtagswahl 2003 in Niedersachsen hatte die SPD kurz vor dem Wahltag noch einmal massiv in Werbung investiert und dennoch die Wahl verloren. Mobilisierungslücken bei den Ehrenamtlichen lassen sich mit Geld ausgleichen. Hat man nicht genügend Ehrenamtliche, die Plakate kleben, bezahlt man Plakate-Kleber eben. Wenn ein Wahlkampfkonzept und eine Strategie für die Kampagne komplett von Ehrenamtlichen erstellt wird – wie jetzt bei den Piraten – kann das aber unbeabsichtigt auch negative Effekte hervorrufen. Bestimmte gesellschaftliche Gruppen können negativ auf Plakat-Symbolik reagieren. Das passiert einer professionellen Agentur in der Regel nicht.
Was macht einen guten Wahlkampf aus?
Ein guter Wahlkampf muss einen Spannungsbogen haben, braucht eine Zuspitzung zum Wahltag hin. Am Anfang muss eine Partei Ziele, Konzepte, Inhalte benennen und Interesse wecken. Gegen Ende hin müssen die Themen auf wenige Kernbereiche beschränkt werden, dem Wähler müssen Entscheidungsmöglichkeiten klar aufgezeigt werden. Das gilt besonders für Oppositionsparteien. Der CDU dürfte als Regierungspartei in Niedersachsen hingegen daran gelegen sein, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und auf die eigenen Erfolge hinzuweisen.
Gibt es bei dieser Landtagswahl Kampagnen, die Sie für besonders gelungen oder für weniger gelungen halten?
Der große Schub wird in den ersten Tagen des neuen Jahres kommen. Erst dann wird man wirklich sehen, welche Kampagne greift. Bei der SPD und den Grünen sind die Parteimitglieder auffällig motiviert. Die FDP nehme ich noch gar nicht so richtig wahr, das irritiert mich.
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Die SPD
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