Drängeln und Pöbeln – Viele Fahrer verlieren die Nerven
Debatte des Tages Auf dem Verkehrsgerichtstag wird auch über Aggressivität beim Autofahren debattiert. Vom Streit um Parklücken bis zur Drängelei auf der Autobahn.
Am ersten Tag des 51. Verkehrsgerichtstags in Goslar wurden richtig „heiße Eisen“ angefasst. Neben den Themen Geschwindigkeitsmessung im Straßenverkehr („Blitzer“) und der Reform des Punktesystems, stand auch das aggressive Verhalten einiger Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt der tagenden Arbeitsgruppen.
Der Hamburger Verkehrsrichter Holger Randel berichtete von immer extremeren Formen des alltäglichen Miteinanders: „Da prügeln sich Menschen bis aufs Blut um Parklücken“, sagte Randel in Goslar. „Wer angehupt wird, verfolgt andere Verkehrsteilnehmer, zerrt sie aus ihrem Auto und ringt sie nieder.“
Der Richter gehört zu den rund 1900 Experten aus ganz Deutschland, die noch bis Freitag in Goslar über verschiedene Themen auf dem Feld des Verkehrs und der Verkehrssicherheit diskutieren.
Sein Alltag am Gericht, sagte Randel, sei auch deshalb so erschreckend, weil wenige Täter hinterher Reue zeigten. „In allen anderen Feldern der Justiz erleben wir immer mal wieder Einsicht. Bei Verkehrsvergehen habe ich noch nie in meiner Berufslaufbahn ein vorbehaltloses Geständnis gehört“, sagte der Richter.
Auch Karl-Friedrich Voss, Verkehrspsychologe aus Hannover, ist auf dem Verkehrsgerichtstag. In seiner Praxis vertritt er Klienten, die schon das eine oder andere Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Viele von Ihnen haben schon mehr Punkte als sie sich wünschen und erhoffen sich von Voss Hilfe. Zwei Themen interessieren den Experten im Harz besonders. Erstens: Die vom Verkehrsministerium angekündigte Reform des Punktesystems – die hält Voss für diskussionswürdig. Vielfahrer würden benachteiligt, eine Bagatelle wie eine verpasste Ummeldung, zu hart bestraft, meint Voss. Und zweitens: Die Aggressivität im Straßenverkehr.
Voss will Raser und Drängler nicht verteidigen, sieht aber oft das Problem, dass die Polizei nur die Tat und den Täter im Blick hat. Der Psychologe kennt auch die weichen Faktoren. „Hintergründe, die das Verhalten des Fahrers besser erklären.“ Bei vielen sei es so, dass sie zuerst ein Opfer im Straßenverkehr waren, bevor sie selbst am Steuer die Beherrschung verloren hätten und Täter wurden.
Auch Lesern brennt das Thema Verkehrssicherheit unter den Nägeln. Sie stellten Fragen, die Verkehrsexperten beantworteten.
