Babyleichen auf Dachboden - Urteil erwartet
Stade Eine 43-Jährige soll zwei Babys heimlich geboren und auf dem Dachboden versteckt haben. Die Staatsanwältin fordert Haft, die Verteidigung Bewährung.
Einen grausigen Fund machte ein Vater im vergangenen Sommer beim Aufräumen seines Dachbodens: Er fand zwei Babyleichen, gut verborgen zwischen dem Gerümpel. Seine Ex-Frau soll die Kinder vor Jahren heimlich zur Welt gebracht und dort abgelegt haben. Seit Anfang Dezember muss sie sich deshalb vor dem Landgericht Stade verantworten. Am Mittwoch will die Kammer ein Urteil verkünden.
Die 43-Jährige hatte in dem Prozess gestanden, den Jungen und das Mädchen auf den Dachboden ihres Hauses in Ostertimke, einem Dorf im Kreis Rotenburg, versteckt zu haben. Die Staatsanwältin forderte am letzten Verhandlungstag dreieinhalb Jahre Haft für die Frau. Diese ist alkoholkrank und leidet an einer Persönlichkeitsstörung. Aus diesem Grund hält die Anklage sie nur für eingeschränkt schuldfähig. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.
Geldsorgen, Alkohol und Streit - die Ehe der Frau mit ihrem ersten Mann hatte sich im Prozess als problematisch herausgestellt. Kurz nachdem sich die beiden kennengelernt hatten, war sie schwanger geworden. Deshalb hätten sie geheiratet, sagte der Mann vor Gericht aus. 1994 kam der Sohn zur Welt. Danach habe er keine weiteren Babys haben wollen, weil er schon für zwei Kinder aus früheren Beziehungen Unterhalt zahlen musste. Sieben Jahre später bekam das Paar noch ein Mädchen.
Von den beiden Schwangerschaften dazwischen erfuhr der Mann nichts. Die Frau gebar die Neugeborenen alleine zu Hause. Den Jungen packte sie in Tüten gehüllt in eine Tasche. Ob er lebend zur Welt kam, konnte im Prozess nicht eindeutig geklärt werden. Das vier Jahre später geborene Mädchen hatte nach Angaben der Angeklagten nach der Geburt jedoch noch gelebt. Sie steckte es in eine Kühlbox und ließ es sterben. Die Staatsanwältin wirft der 43-Jährigen deshalb versuchten und vollendeten Totschlag vor. dpa.

