„Fairness wünscht nicht nur die Stahlindustrie“

Eine glühende Stahlrolle aus Flachbandstahl im Warmwalzwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Eine glühende Stahlrolle aus Flachbandstahl im Warmwalzwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Foto: Patrick Pleul/dpa

Hannover 

Zu „Ein Stahl-Bündnis ruft um Hilfe“ vom 9. Februar:

Wolfgang Schäuble sprach jüngst im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von einem „Rendezvous mit der Globalisierung“. Dieses Bild finde ich ganz gelungen, weil vielfach einsetzbar: Wir wollen uns hier gegen die Chinesen abschotten, um unsere Industrie zu schützen. Lassen sich die Chinesen das gefallen? Ich fürchte, nein. Moderne Handelsschutzinstrumente hätten die afrikanischen Bauern auch gerne, die sich zum Beispiel gegen die mit europäischen Agrarsubventionen geförderten Produkte zur Wehr setzen müssen.

Bei Kleidung – die deutsche Bekleidungsindustrie ist ja bis auf wenige Ausnahmen schon verschwunden – nehmen wir die Billigimporte aus dem Reich der Mitte und umliegenden Ländern gern an, egal welche Arbeitsbedingungen und Umweltstandards in den Fabriken herrschen. Bei Computern, Handys und anderen technischen Geräten ist es ähnlich. Hauptsache billig und immer auf dem neuesten Stand. Ressourcenverschwendung? Egal!

Beim Klimaschutz geht es weiter: Hier wird darauf hingearbeitet, energieintensiven Industrien Vorteile zu verschaffen, auch wenn es nicht so dargestellt werden soll. Die Bundesregierung hat im Zusammenhang mit der Kohleverstromung schon eine Chance vertan, deutliche Verbesserungen zu realisieren. Soll dies die nächste sein? Klar ist: Auch hier muss global agiert werden.

Wenn das nicht passiert, wird das Thema Migration sicher noch bedeutender, um nur eines zu nennen. Und was die Arbeitsplätze aus unserem Stahl-Beispiel angeht: Warten wir erstmal TTIP ab!

Wilfried Ottersberg, Cremlingen

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