„Ursachen von Krieg und Terror mehr beleuchten“

Militante Taliban werden von der afghanischen Polizei verhaftet.

Foto: Parwiz/rts

Militante Taliban werden von der afghanischen Polizei verhaftet. Foto: Parwiz/rts

Berlin.  Zum Leitartikel „Der Terror-Versteher“ vom 21. Januar:

Dass Herr Maus die Relativierung des Terrors gegen Unschuldige auf keinen Fall akzeptieren will, kann ich voll unterstützen. Aber andererseits erwarte ich genau diese von ihm kritisierte Einmischung in die Geschäfte von Bundesregierung und Nato durch Personen des öffentlichen Lebens, zu denen auch der BND-Präsident Schindler gehört.

Aus meiner Sicht ist es eine Fehlleitung der Öffentlichkeit, wenn man nicht deutlich macht, dass der Terrorismus sehr wohl mit dem Elend und der Armut der Menschen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, Nord- und Zentralafrikas zu tun hat.

Es ist demokratische Pflicht der Medien, den Lesern, Zuhörern und Zuschauern immer wieder und bei jeder Gelegenheit Meldungen von Krieg und Terror in Kontext zu setzen, also Ursache und Wirkung zu verdeutlichen.

Der Kampf aufseiten der Taliban und des IS ist oft die einzige Verdienstmöglichkeit für viele Männer, insbesondere nach dem Zusammenbruch der Zivilgesellschaften nach dem völkerrechtlich nicht legitimierten militärischen Einschreiten der NATO-Staaten in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usw. Nur mit diesen finanziell getriebenen Menschen sind die wenigen Führer in der Lage, ihre kranken Terrorfantasien umzusetzen. Wichtig ist auch anzumerken, dass selbstverständlich auch Terrorismus gezüchtet wird, wenn tausendfach Unschuldige durch US-Drohnen im Jemen und in Pakistan sterben oder tausende Zivilisten durch Nato- und russische Bombardements in Syrien und Libyen sterben.

Den gleichen Fehler, den die Medien bei der Erklärung des Terrors machen, machen sie übrigens auch beim Thema Flüchtlinge. Auch hier wird viel zu selten der Kontext zu undemokratischer Globalisierung und neoliberalem Kapitalismus hergestellt. Wieso machen die Medien nicht viel häufiger deutlich, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Freihandelsverträgen und Migration gibt?

Thorsten Penzhorn, Braunschweig

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