Autobauer haben Probleme mit CO2-Bilanz

Braunschweig  Bis 2020 sollen die Flotten der Autohersteller im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 je Kilometer in die Atmosphäre pusten. Doch die Fortschritte auf dem Weg dorthin werden immer steiniger.

Viele Autobauer haben Probleme mit ihrer CO2-Bilanz.

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Viele Autobauer haben Probleme mit ihrer CO2-Bilanz. Foto: dpa

Das belegt eine Studie von Professor Stefan Bratzel, dem Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Der Automobilexperte hat die CO2-Bilanz der wichtigsten globalen Hersteller unter die Lupe genommen.

Demnach ist der Flottenausstoß der Hersteller zwischen 2009 und 2014 um 12,8 Prozent auf nunmehr 134,5 Gramm pro Kilometer gesunken. Allerdings konnten die Autobauer den Ausstoß im ersten Halbjahr 2014 nur noch um 2,3 Prozent reduzieren. Im Vorjahreszeitraum hat das Minus noch 3,8 Prozent betragen. Die Klimaziele der Europäischen Union verlangten von den Herstellern „technologische und kostenmäßige Quantensprünge“, sagte Bratzel. „Die notwendigen hohen CO2-Einsparungen sind jedoch zunehmend nur durch eine breite Elektrifizierung der Fahrzeugflotten erreichbar.“

Am meisten Kohlendioxid pusten der Studie zufolge Porsche und Jaguar in die Luft – mit 201 beziehungsweise 183,3 Gramm CO2 je Kilometer. Während Porsche seinen Ausstoß zumindest senken konnte, ist er bei Jaguar wieder angestiegen. Deutlich verschlechtert hat sich auch Fiat, wo die Emissionswerte von 135 auf 141,6 Gramm je Kilometer zugenommen haben.

Bratzel macht bei der italienischen Autoschmiede zwei Faktoren dafür verantwortlich. Zum einen liege es an der gestiegenen Neuzulassungszahl des Fiat „Freemont“ – einem Auto mit einem CO2-Ausstoß von 187 Gramm, das auf dem „Journey“ der US-Tochter Dodge basiert. Zum anderen würden im ersten Halbjahr immer mehr Fahrzeuge für Wohnwagen zugelassen – und hier sei Fiat Marktführer.

Mit 132,4 Gramm CO2 liegt VW bei den zulassungsstarken Marken im Mittelfeld. Der Autobauer konnte seinen Ausstoß aber nur um 1,1 Prozent verringern. VW sei ein typisches Beispiel, das zeige, wie schwer die CO2-Reduzierungen inzwischen zu realisieren seien, meinte Bratzel. „Ich gehe davon aus, dass Volkswagen die Klimaziele 2020 erreichen wird, aber es wird schwer.“ Dazu müsse VW noch stärker auf alternative Antriebe setzen. Die Hybridfahrzeuge oder der E-Golf würden noch nicht in der nötigen Stückzahl verkauft, um die nötigen positiven Effekte in der CO2-Bilanz zu erzielen.

Die Klimaziele machen aus Sicht des Autoexperten die breite Elektrifizierung der Flotten notwendig, die an der mangelnden Kundenakzeptanz scheitere. Diese werde jedoch nur steigen, wenn die Funktionalität der alternativen Antriebe deutlich verbessert werde und der Preis für Elektrofahrzeuge und Hybride sinke. „Für die Hersteller bedeutet das die Quadratur des Kreises“, sagte Bratzel: „Antriebsinnovationen mit hohen Kosten für die Entwicklung vorantreiben und gleichzeitig die Kosten und Endkundenpreise für die umweltschonende Antriebe senken. Nicht allen Herstellern wird dieser Spagat gelingen.“

Unangefochtener Spitzenreiter unter bei den Massenherstellern bleibt nach wie vor Toyota mitsamt der Premiummarke Lexus mit einem Flottenausstoß von 118,7 Gramm. Die deutschen Autobauer können hier bislang nicht mithalten. So kommt Ford auf 128,9 Gramm, Opel auf 136,5 Gramm, BMW (samt Mini) auf 137,3, Mercedes (inklusive Smart) auf 137,4 und Audi auf 139,5 Gramm Kohlendioxid je Kilometer.

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