Kirche zieht Klage zurück

Strauß: Mangelnde Erfolgsaussichten für Prozess gegen Schacht Konrad

SALZGITTER. "Wir sind wahnsinnig enttäuscht", sagt Karen Traube. Gestern wurde bekannt, dass die braunschweigische Landeskirche ihre fristwahrende Klage gegen die Genehmigung für das Atommüll-Endlager Schacht Konrad in Salzgitter nicht aufrecht erhalten wird.

Die Traubes, Landwirte aus Salzgitter-Bleckenstedt, fühlen sich jetzt als Konrad-Kläger – und "sehr gläubige Christen" – allein gelassen. "Nach intensiver Diskussion", so Kirchensprecher Michael Strauß, habe sich die Kirchenregierung Montagabend einstimmig gegen den Klageweg entschieden. Grund: Die "ethischen und schöpfungstheologischen Bedenken der Kirche" würden "in einem Verwaltungsgerichtsverfahren aller Voraussicht nach keine Berücksichtigung finden". Stattdessen, so Strauß, müsse die Landeskirche ihre Grundstücke als "Vehikel für die Klage" benutzen. Dies sei jedoch "unredlich".

Das sieht Karen Traube ganz anders: "Diese Begründung kommt mir unwahr vor." Sie vermutet, dass die Kirche eher die Kosten der Klage scheut. "Es ist sachlich und juristisch absurd, was dort beschlossen wurde", meint Peter Dickel, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad. "Das ist genau so, als würde man sagen, die Traubes benutzten die Sorge um ihren Hof als Vehikel für eine Klage." Die Kirche, kritisiert Dickel, wolle sich mit einem "konstruierten Widerspruch durch kircheninterne Spannungen lavieren". Es sei ein Drama, dass die Traubes nun "ziemlich allein" dastünden. Dickel: "An denen hängt ganz, ganz viel."

"Es ist im höchsten Maße bedauerlich, dass die Kirche aus der Phalanx der Kläger herausgebrochen ist", sagt Norbert Uhde, der Pressesprecher der Stadt Salzgitter. "Wir gehen jedoch unseren Weg und lassen uns nicht beirren." Über ihren Berliner Anwalt Reiner Geulen hat die Stadt Klage vor dem Lüneburger Oberverwaltungsgericht eingereicht.

Außer der Stadt Salzgitter und der Familie Traube klagen auch die Gemeinden Lengede und Vechelde im Landkreis Peine gegen das geplante Atommüll-Endlager.

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